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Ein Tag in Pélekas


GelÀndedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Mi, 19. April 2006]

Der Tag beginnt wenig vielversprechend. Der orkanartige Wind vom Vortag hat sich gelegt und diesiges, fast schon nebliges Wetter hinterlassen. Zum ersten Mal stecken die Gipfel der niedrigen Berge um uns herum in Wolken und verstĂ€rken unsere Unsicherheit, was wir mit unserem letzten richtigen Urlaubstag anfangen sollen. Wir frĂŒhstĂŒcken gewohnt spĂ€t und verdrĂŒcken uns dann zunĂ€chst einmal auf unseren Balkon. Den Rest des Vormittags bringen wir damit zu, ein wenig zu lesen und schon einmal das ein oder andere fĂŒr die RĂŒckfahrt einzupacken. Zwischendurch biete ich Sophia meine Hilfe bei ihrem Computerproblem an, das sie einige Tage zuvor erwĂ€hnt hat, doch da Moumouris gerade mitten im Aufbau ihrer Internetcafé-Ecke begriffen sind, sind die Rechner nicht angeschlossen, so dass mein Angebot ungelegen kommt.

Irgendwann rappeln wir uns zu einem Spaziergang auf. Wir peilen den Strand an, von dessen nördlichem Ende wir die Straße hinauf nach Pélekas nehmen wollen. Der Hund von Maria's Place zeigt heute keinerlei Interesse an uns. Vielleicht hat er keine Lust sich nasse Pfoten zu holen, denn die gewaltigen Wellen, die nach dem Wind des Vortages heute hier einrollen, ĂŒberspĂŒlen die schmale Passage zwischen dem Restaurant und dem Strand in regelmĂ€ĂŸigen Zyklen. Wir ziehen unsere Socken aus und versuchen die Stelle so zu passieren, dass unsere Trekking-Sandalen wenigstens halbwegs trocken bleiben. Der Versuch, ein wenig Indiaka zu spielen, wird durch den Wind bereits im Ansatz erstickt. Wir gehen weiter zum Nordende des Strandes und klettern auf die Felsen, die hier einen kleinen geschĂŒtzten Hafen fĂŒr eine Handvoll kleiner Boote bilden. ÜbermĂŒtig presche ich vor, um eine guten Blick auf das unter uns kochende Wasser zu erhaschen. Das Meer lĂ€sst sich nicht lumpen und prĂ€sentiert mir eine besonders eindrucksvolle Vorstellung. Den Bruchteil einer Sekunde spĂ€ter bin ich zu Kordulas grenzenloser Belustigung bis auf die Unterhose durchnĂ€sst. Unser Ausflug ist damit erst einmal beendet. Wir trippeln zum Hotel zurĂŒck, damit ich aus den nassen Sachen herauskomme. Dann machen wir uns eine der FertigtĂŒten-Linsensuppen, die wir mit etwas Brot auf dem Balkon schlemmen. Danach hĂ€lt Kordula ein MittagsschlĂ€fchen.

AllmĂ€hlich wird das Wetter besser. Die Sonne kommt heraus und erbarmt sich meiner im Wind baumelnden, nassen Klamotten. Wir lesen ein wenig, knabbern Erdnusskekse und an einem Schokoladen-Osterhasen, wĂ€hrend wir einen Cappucino schlĂŒrfen. Am spĂ€ten Nachmittag starten wir dann unseren zweiten Ausflugsversuch. Diesmal meiden wir den Strand und seine TĂŒcken, gehen entlang der Straße ans Nordende der Bucht und erklimmen den Berg hinauf nach Pélekas und zu Kaiser's Throne. Dort genießen wir zunĂ€chst ein wenig die Aussicht, ehe wir in die Kaiser's Bar des Hotels Levant einfallen. Die Sonne hat sich wieder verzogen, weshalb wir die einzigen GĂ€ste auf der Terasse sind. Der Kellner nimmt unseren eisernen Widerstand gegen die kĂŒhle Witterung belustigt zur Kenntnis und bringt uns - da wir nicht schlau genug sind, uns mit etwas Kaffee aufzuwĂ€rmen - die bestellten zwei Bier. Am Horizont malt die Sonne hell leuchtende Kleckse auf die OberflĂ€che der See. Es sieht aus, als wĂŒrde jeden Moment ein gewaltiger Wal aus den Wolken herab gebeamt. Als die ersten Regentropfen fallen, verziehen wir uns unter den ĂŒberdachten Bereich der Terasse in die mit Lederpolster ausgestatteten Korbsessel. Das Bier auf nĂŒchternen Magen verschafft uns zwar gute Laune aber keine WĂ€rme, so dass sich Kordula nun doch noch einen Mokka bestellt. Als wir merken, dass der Regen nicht so richtig in Schwung kommt, brechen wir wieder auf und nehmen denselben Weg den Berg hinunter, den wir gekommen sind. Unterwegs sichert sich Kordula in einem Laden noch eine Tafel Schokolade fĂŒr Sophias Söhnchen Nikos und kurz vor unserem Hotel einen Olivenzweig als Ableger fĂŒr zuhause.

An unserem letzten Abend im Aussichtspavillon des Bella Vista. lassen wir uns von Sofia mit einem Griechischen Salat, der HĂ€hnchenbrust mit Pommes frites und abermals einer Pizza speciale verwöhnen. Wir sind die einzigen GĂ€ste. In ihrer Wohnzimmerecke probiert die Familie Moumouri mit großer Begeisterung ein Videospiel aus, bei dem man ein Auto eine kurvige Straße entlangsteuert - eine optimale Vorbereitung fĂŒr den kleinen Nikos auf das Autofahrerdasein auf Korfu. Kordula setzt unserem Gastspiel im Bella Vista in Sophias GĂ€stebuch ein zeichnerisches Denkmal. Dann geht es ans Bezahlen. Die Rechnung fĂŒr die sechs Abendessen und die diversen Weine und Biere, die nebenher angefallen sind, fĂ€llt human aus, so dass von den am Automaten in Ágios Górdis gezogenen Geld einiges ĂŒbrigbleibt. Sophia gibt mir den Reisepass zurĂŒck - wahrscheinlich hĂ€tte ich ihn am Ende noch glatt vergessen - und uns noch einen Hauswein aus. Die letzten drei Spiele unserer Urlaubskniffelmeisterschaft stehen an, eines im Pavillon, zwei auf unserem Balkon, und ich verspiele meinen an den letzten Abenden bereits bedenklich geschrumpften Vorsprung, so dass ich am Ende klĂ€glich untergehe. Das Funkeln der am spĂ€ten Abend doch noch erscheinenden Sterne spenden mir Trost vor dem Zubettgehen.

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