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Kölaälven-Tour


Geländedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Do, 7. August 2003]

Der heutige Tag beginnt früh, und das ist durchaus beabsichtigt. Auf 4.30 Uhr haben wir unseren Wecker gestellt, in der Hoffnung, bei einem Aufbruch im Morgengrauen ein paar Biber aufzuspüren, die es in diesem Flussabschnitt laut unserer Tourenbeschreibung in großer Zahl geben soll. Doch geweckt werden wir schon vor 4.30 Uhr — durch ein Geräusch, das uns schon völlig fremd geworden ist, das Prasseln von Regentropfen auf unserem Zeltdach. Schnell krieche ich aus dem Zelt, um die Sachen, die wir am Vorabend zum Trocknen aufgehängt haben, ins Trockene zu bringen. Als kurze Zeit später der Wecker loslegt, regnet es immer noch. Biber ade! Auf Zeltabbau und Paddeln bei Regenwetter verspüren wir zumindest zu so früher Stunde keine Lust.

Kurz nach 7.00 Uhr dann die Überraschung. Die Sonne scheint vom Himmel herab, als ob nichts gewesen wäre. Wir stehen auf. Kurz nach 9.00 Uhr sind wir wieder auf dem Fluss und befreien erst einmal Schuhe, Füße und den Fußboden des Kanus von dem mitgeschleppten Schlamm — nicht zum letzten Mal an diesem Tag. Der Fluss ist fast wie ein Teich mit kaum wahrnehmbarer Eigenfließbewegung. Nach gut zwei Stunden drängt es uns zu einer ersten Pause. An einer Kuhweide steigen wir aus. Prompt kommt ein gutes halbes Dutzend Kühe angetrabt, um neugierig unser Boot zu beschnüffeln und unsere Rucksäcke darin zu besabbern. Als wir Gewissheit darüber haben, dass wir vor den aufdringlichen Viechern auch unter dem Baum, unter dem wir uns niederlassen wollen, keine Ruhe haben werden, ziehen wir weiter, um unsere Bananen und Müsliriegel zwei Flussbiegungen weiter verdrücken zu können. Danach paddeln wir durch bis zum nächsten Landtransport, der es diesmal wieder in sich hat.

Wir befinden uns in Adolfsfors. Der Weg hinauf zur Straße ist mörderisch steil, und danach geht es erst einmal über eine kleine Anhöhe. Nach 1,2 km erreichen wir einen schicken kleinen Hafen, wo wir wieder einbooten. Kordula übernimmt den unschöneren Part der Arbeit und stellt sich in das trübe Wasser, um Ronjas Bug sanft auf die Oberfläche setzen zu können. Nun darf ich zum ersten Mal den Steuermann spielen, sehr zum Unwillen von Kordula, die sich vorne als Tempomacherin nicht ganz so heimisch fühlt. Doch da nun ohnehin bald Kordu-Fütterungszeit ist, dauert diese Episode nicht lange an. An einem von kleinen, zudringlichen, sehr schmerzhaft zubeißenden Ameisen überfüllten Platz, kurz vor Erreichen des Sees Hugn, machen wir Halt und verputzen die mit Spannung erwarteten gefüllten Dosenpaprika von Erasco mit Zwiebel-Speck-Kartoffelpüree. Ein bisschen Dösen, danach noch ein Tässchen löslichen Cappuccinos, dann geht es hinaus in die Weiten des Sees.

Nach zwei Tagen eingeengter Flusslandschaft ist die gewaltige Wasserfläche mit ihren Wellen fast schon wieder ungewohnt. Während die weitere Tour nun eigentlich in Richtung Süden führt, entscheiden wir uns für ein paar Extra-Kilometer und klappern das Seeufer in Richtung Norden ab, um an der Ostseite wieder südwärts zu ziehen und gleichzeitig Ausschau nach einem schönen Lagerplatz zu halten. Die Entscheidung fällt uns diesmal leicht. Eine kleine Bucht mit Sandstrand, und einer Reihe vorgelagerter, flach ins Wasser abfallender Felsen lädt uns zum Bleiben ein. Das Zelt müssen wir auf niedrigem Gestrüpp aufstellen, doch was macht das schon aus angesichts dieser herrlichen Bade- und Abendbrot-Terassen direkt am Wasser in die Felsen geformt. Wir genießen das gegenüber dem schlammigen Flusswasser viel klarere Seewasser für eine gründliche Körperwäsche und sitzen bis nach Sonnenuntergang, um im Restlicht des Tages und im matten Schein des tiefstehenden, sich im Wasser spiegelnden Mondes zu Abend zu essen, zu lesen, zu schreiben und dem Schreien der Schneegänse zu lauschen, das über die Wasser in die hereinbrechende Nacht dringt.

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