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Kölaälven-Tour


Geländedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Sa, 9. August 2003]

Selten ist es uns derart schwer gefallen einen Zeltlagerplatz hinter uns zu lassen wie an diesem Tag. Nachdem wir das Frühstück auf unserer Insel noch einmal in vollen Zügen genießen, packen wir unsere sieben Sachen und setzen uns wehen Herzens in unser Kanu. Die verbleibenden beiden Tagesetappen nach Arvika umfassen nicht mehr allzu große Strecken, und für den heutigen Tag haben wir nicht einmal mehr einen Landtransport auf dem Programm, so dass wir gemütlich vor uns hinpaddeln und die Landschaft um uns herum genießen können. Wir arbeiten uns bis zur vor dem östlichen Seeufer des gewaltigen Nysockensjöns gelegenen Insel Storön voran. Von dort an folgen wir den nun enger aneinander rückenden Uferlinien in südlicher Richtung.

Als die Zeit für eine kleine Pause gekommen ist, legen wir an einer gute Ausstiegsmöglichkeiten bietenden, jedoch sehr Gestrüpp-lastigen Stelle am Westufer des Sees unterhalb eines Kahlschlags an, wo wir eine Kleinigkeit knabbern und den Tätigkeiten meines Verdauungstraktes zu ihrem natürlichen Recht verhelfen. Später legen wir etwas weiter südlich am gegenüber liegenden Ufer einer weit in den See hineinragenden Halbinsel an, jetzt schon nach einer geeigneten Stelle für unser nächstes Nachtlager Ausschau haltend. Südlich von hier gibt es praktisch nur noch eine, ebenfalls auf einer Insel gelegene Übernachtungsmöglichkeit auf dem Weg nach Arvika, da die Ufer bis dorthin mit Ferienhäuschen gespickt sind. Laut unserer Karte soll es dort sogar eine Windschutzhütte geben, aber um die herum wird es nicht eben einsam sein, zumal sich dort unser Weg bereits mit dem anderer Kanu-Wanderrouten vereinigt haben wird. Doch die Stelle, an der wir nun gelandet sind, erweist sich nicht als Zeltplatz-tauglich. Eine ganze Weile stapfen wir durch das angrenzende sumpfige Gelände. Dann geben wir es auf, kehren zu unserem Boot zurück und setzen unseren Weg fort — nun also doch auf die besagte Insel mit der Windschutzhütte zuhaltend.

Trotz der noch frühen Uhrzeit — es ist noch nicht einmal 15.00 Uhr — sind wir nicht die ersten, die an diesem Tag ihr Quartier auf der Insel bezogen haben. Ein Pärchen, das uns im Verlauf unserer Tour noch nicht begegnet ist, da es offenbar vor der Schlussetappe einer der anderen Wanderrouten steht, hat sich ein idyllisches Plätzchen an der Nordspitze der Insel unter den Nagel gerissen. Wir finden nach kurzer Suche eine nicht minder schöne Stelle an der Westseite — hallo Abendsonne —, wo wir uns bald großräumig ausbreiten.

Wir wissen sehr bald, dass wir das Paradies vom Vorabend gegen ein anderes eingetauscht haben. Vor uns liegt der schönste Nachmittag unserer Kanu-Wanderung. Wir kochen uns Erbsensuppe mit Armotsforser Würstchen, während aus meinem Kurzwellen-Radio die vertraute Geräuschkulisse der samstagnachmittäglichen Berichterstattung von der Fußball-Bundesliga — dem zweiten Spieltag der noch jungen Saison — an unser Ohr dringt. Später schreiben wir Postkarten und schlürfen dabei Cappuccino. Nicht einmal der Umstand, dass den Bayern kurz vor Spielende noch der 3:3-Ausgleich bei Hannover 96 gelingt, kann unser Wonnegefühl trüben. Wir lesen uns gegenseitig aus dem Buch "Zwölf" von Nick McDonnell vor, nachdem Kordula ihren Island-Krimi am Vortag ausgelesen hat. Und wir baden natürlich; zumal sich eine traumhaftere Stelle dafür — wieder verfügen wir neben einem kleinen Sandstrand über eine regelrechte Terasse aus Fels — nicht denken lässt. Während wir dort zum Trocknen liegen, genießen wir das Spiel der Sonnenstrahlen im Blattwerk des lichten Inselwäldchens, das umso schöner wird, je flacher sie einfallen, bis sie schließlich von einem wolkenlosen Horizont verschluckt werden, um einem matt glänzenden, fast vollen, aber immer noch sehr tief am Horizont stehenden Mond Platz zu machen. Wie am Vorabend lässt sich Kordula zu einer nächtlichen Ausfahrt über das stille Wasser überreden. Schweden, ein Sommermärchen.

Lange überlegen wir an diesem Abend, ob wir es wagen sollen, mit unseren Schlafsäcken außerhalb des Zeltes im Freien zu übernachten. Die Aussicht auf noch mehr Mückenstiche und Ameisenbisse schrecken uns dann aber leider doch ab.

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