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Fahrt nach Blaibach


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[So, 19. Juli 2009]

Einen Tag sp├Ąter als urspr├╝nglich geplant starten wir an diesem Sonntagmorgen gegen 9.45 Uhr in unseren Sommerurlaub. Unser Ziel ist der Osten Bayerns, wo wir von Blaibach aus in f├╝nf Tagen mit unserem Faltboot auf dem Regen bis nach Regensburg paddeln und danach vielleicht noch ein paar Tage mit Wanderungen im Bayrischen Wald verbringen wollen. Die tr├╝ben Wetterprognosen f├╝r dieses Wochenende haben uns veranlasst, erst heute loszufahren. Mit mir am Steuer gelangen wir z├╝gig und ohne Staus ├╝ber die A43, A1 und A3 bis nach Montabaur, wo wir einen ersten kurzen Stop einlegen.

Die zweite Pause wird uns von unserem leeren Tank aufgezwungen. Wir legen sie an der Rastst├Ątte Spessart ein. An s├Ąmtlichen Zapfs├Ąulen warten lange Schlangen auf uns, die ├╝berwiegend aus niederl├Ąndischen Wohnmobilen und Wohnwagengespannen bestehen. Ich spekuliere darauf, an der k├╝rzesten am schnellsten vorw├Ąrts zu kommen. Doch Murphys Gesetz macht mir einen Strich durch diese Rechnung. Als wir endlich in Reichweite der Zapfs├Ąule gelangen, r├Ącht es sich, dass ich nicht darauf geachtet habe, dass sich die Zapfs├Ąule, an der wir anstehen, links von unserem Auto befindet, w├Ąhrend dessen Tank jedoch auf der rechten Seite liegt. Als das holl├Ąndische Wohnanh├Ąngergespann vor uns die Zapfs├Ąule freigibt, rollt es nicht soweit nach vorne, als dass der Schlauch des Zapfhahns bis zu unserem Tank reichen w├╝rde, so dass wir eine weitere gef├╝hlte halbe Stunde warten m├╝ssen, bis wir endlich tanken k├Ânnen. Die Fl├╝che, die ich zwischenzeitlich auf den Fahrer des Wohnanh├Ąngergespanns vor uns niederregnen lassen, zeigen jedoch Wirkung, denn kurz nachdem wir endlich wieder auf der Autobahn sind, sehen wir das selbe Wohnanh├Ąngergespann mit leuchtender Warnblinkanlage rechts auf dem Seitenstreifen stehen.

Allzuviel habe ich von meiner Schadenfreude jedoch nicht, denn bald kommt auch unser Auto zum Stehen. Ein Stau beginnt sich zu bilden. Und der ist vom Feinsten. Auf den folgenden 50 km bis W├╝rzburg geht es ├╝ber Stunden hinweg nur im Stop-and-Go-Tempo voran. Als sich der Stau entgegen den Meldungen im Radio auch hinter W├╝rzburg-Kist fortsetzt, verlassen wir entnervt die A3 bei W├╝rzburg-Randelsacker und folgen der am Main entlangf├╝hrenden B13 ├╝ber Ochsenfurt bis zur A7 bei Marktbreit. Aus unserer urspr├╝nglich 611 km langen Fahrt wird damit eine von 657 km L├Ąnge.

In Rothenburg ob der Tauber legen wir schlie├člich eine Pause ein. Wir verlassen die Autobahn, fahren in die Stadt und lassen das Auto auf dem Parkplatz eines Supermarktes stehen, ehe wir f├╝r ein St├╝ndchen ins Stadtzentrum hineinbummeln, auf der alten Stadtmauer entlanggehen und uns schlie├člich in einem Eiscafé niederlassen, um uns einen Eisbecher zu g├Ânnen. Erst gegen 17.45 Uhr sitzen wir wieder im Auto. Vor uns liegen noch 240 km.

Kordula hat nun das Steuer ├╝bernommen und f├Ąhrt uns weiter auf der A7 bis zum Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim und ab dort ├╝ber die A6 in Richtung N├╝rnberg. Hier flie├čt der Verkehr ohne Probleme. Als wir beim Autobahnkreuz Altdorf ├╝ber die A3 hinwegfahren, ist auch diese dort frei von Staus. Bei der Abfahrt Amberg-Ost verlassen wir die Richtung Prag f├╝hrende A6, fahren auf der B85 ostw├Ąrts weiter vorbei an Schwandorf und Wackersdorf, ehe wir bei Roding erstmals das Regen-Tal erreichen.

War das Wetter bis zu diesem Zeitpunkt ganz passabel, ist es nun die H├Âlle. Sintflutartige Regenf├Ąlle prasseln auf uns hernieder. An z├╝giges Fahren ist nicht zu denken. Der Gedanke daran, nachher ein Zelt auf einem Campingplatz aufbauen zu wollen, hat sich in eine Horrorvorstellung verwandelt. Allerdings wei├č ich dank Internet, dass auf dem Campingplatz in Blaibach auch H├╝tten gemietet werden k├Ânnen. Wir k├Ânnen nur hoffen, dass diese nicht bereits komplett vergeben sind. Den n├Ąchsten D├Ąmpfer erhalten wir, als von der Stra├če aus der Blick auf den Fluss frei wird, den wir in den n├Ąchsten Tagen bepaddeln wollen. Der Regen f├╝hrt Hochwasser und ist an etlichen Stellen ├╝ber die Ufer getreten. Nachdem der Wetterbericht im Radio den Beginn des Sommers um einen weiteren Tag nach hinten zum Dienstag hin verschiebt, einigen auch wir uns schnell darauf, unsere Paddeltour erst am ├╝bern├Ąchsten Tag beginnen zu lassen und somit f├╝r zwei N├Ąchte in Blaibach zu bleiben.

Bei Chamerau ist die direkte Stra├če nach Blaibach gesperrt, so dass wir zun├Ąchst noch einen Schlenker ├╝ber Miltach machen m├╝ssen. Dann biegen wir von der Hauptstra├če nach links ab und fahren in das beschauliche Blaibach hinein. Als uns die Br├╝cke ├╝ber den Regen hin├╝berf├╝hrt, ist klar, dass wir den Abzweig zum Campingplatz verpasst haben m├╝ssen. Wir kehren um, finden das Hinweisschild und befinden uns wenig sp├Ąter auf dem gem├╝tlichen kleinen Campingplatz aqua hema. Die Zeiger unserer Uhren bewegen sich in Richtung der 20.00 Uhr-Markierung. Hinter uns liegen neun Stunden Autofahrt.

Auf der zentralen Wiese erhebt sich neben den Zelten einiger hartgesottener Camper ein gro├čes Tipi-Zelt. Die Wohnmobile und Wohnwagen drumherum scheinen lediglich als schm├╝ckendes Beiwerk zu fungieren. Die Anmeldung ist nebst Lager f├╝r alle m├Âglichen Kanuausr├╝stungsgegenst├Ąnde und ein bisschen Biergarten-Gastronomie in einer alten Scheune am Eingang des Platzes untergebracht. Dort hat man tats├Ąchlich auch noch eine H├╝tte f├╝r uns. Genau genommen handelt es sich um eine Doppelh├╝ttenh├Ąlfte mit ├╝berdachter Veranda, auf der sich Tische und St├╝hle befinden, und einem kleinen Zimmer, das zwei Doppelbetten, ein Regal, einen Klapptisch und zwei Hocker beinhaltet. Unter der Veranda findet sich zudem noch ein Grill. Nachdem der Regen inzwischen aufgeh├Ârt hat, k├Ânnten wir das Zelt zwar im Trockenen aufbauen, doch der Rasen auf dem es stehen w├╝rde, ist ein einziger gro├čer vollgesogener Schwamm, in dem jeder Fu├čtritt einen kleinen See hinterl├Ąsst — f├╝r einen gelungenen Urlaubsstart absolut ungeeignet. Da ist die H├╝tte f├╝r nur 13,- Euro mehr pro Nacht eine mehr als willkommene Alternative.

Wir werfen unsere Schlafs├Ącke auf eine der vier Matratzen. Die anderen drei sind bald von unserem sonstigen Krempel eingedeckt. Das Boot werden wir an diesem Abend nicht mehr aufbauen, da es verh├Ąltnism├Ą├čig sp├Ąt ist und wir im Ort noch etwas essen gehen wollen. F├╝r den n├Ąchsten Tag haben wir ja nun ohnehin keine Paddelaktivit├Ąten mehr geplant. Erst einmal soll das Hochwasser ein wenig abflie├čen. Der Campingplatzwart hat uns gesagt, dass dies wohl recht schnell ginge und man den Fluss dann auch unbesorgt befahren k├Ânne.

Das Restaurant des Hotels Kreuzbacher Stub┬┤n suchen wir ebenfalls auf Rat unseres Campingplatzwarts hin auf. Dort soll es noch bis 22.00 Uhr etwas zu essen geben. Das Hotel liegt auf der anderen Seite des Flusses auf dem Weg zum Bahnhof. Die Einrichtung zeigt sich bayrisch rustikal, ebenso die Speisekarte. Das Bier schmeckt nach einem solchen Tag nat├╝rlich besonders lecker, aber auch das Tagesgericht — Krustenbraten mit Kl├Â├čen und Salat — ist ausgesprochen k├Âstlich, so dass wir uns noch jeder einen Kn├Âdel mit So├če nachbestellen. Vollends verbl├╝fft bin ich, als wir die Rechnung bekommen — gerade mal 18,- Euro. Als Ruhrp├Âtter sind wir da leider ganz andere Preise gewohnt.

Unsere R├╝ckkehr zum Campingplatz verbinden wir noch mit einem kleinen Rundgang durch Blaibach, das doch ein wenig kleiner und verschlafener ist, als ich mir erhofft hatte. Per Handy teilen wir unseren Eltern mit, dass wir gut angekommen sind. Und von der Regen-Br├╝cke aus versucht Kordula die sch├Âne Stimmung dieses Abends auf ihre Digitalkamera zu bannen. Nach dem Z├Ąhneputzen im Sanit├Ąrgeb├Ąude des Campingplatzes zw├Ąngen wir uns auf der Matratze mit den Schlafs├Ącken zusammen und tr├Ąumen uns in die erste Nacht dieses Sommerurlaubs hinein.

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