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Regen-Tour


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[Do, 23. Juli 2009]

Auch an diesem Morgen muss ich einige Schritte mehr auf mich nehmen, um an ein paar Br├Âtchen heranzukommen. ├ťber den Parkplatz hinweg, wo Johanna und Dieter in ihrem Wohnmobil noch friedlich schlummern, gehe ich in den Ort hinein, wo ich auf der Suche nach einem B├Ącker schnell f├╝ndig werde. F├╝r Kordula nehme ich eine zus├Ątzliche Brezel mit.

Das Wetter sieht noch gut aus, auch wenn sich am westlichen Firmament eine erste verd├Ąchtige Wolkendecke in Stellung bringt, und so fr├╝hst├╝cken wir auf den Steinb├Ąnken, neben denen wir das Zelt aufgebaut haben. Danach beginnt das ├╝bliche Prozedere: Sp├╝len, Taschen packen, Zelt abbauen. Unser Boot wollen wir startklar haben, ehe wir uns von Johanna und Dieter verabschieden. Heute haben wir zwangsl├Ąufig auch wieder Zelt und Schlafs├Ącke mit an Bord, verstauen das ganze jedoch etwas geschickter. Das Zelt kommt mit zu der Isomatte quer unter meine Kniekehlen, Kordulas Schlafsack mit in den Stauraum im Bug. Lediglich der zweite Schlafsack landet in dem gro├čen blauen Spritzsack auf dem Heck, der damit wesentlich leichter ist und das Heck nicht so sehr unten dr├╝ckt wie sonst.

Als wir das Boot zum Flussufer geschoben haben, sehen wir Johanna und Dieter von der Stelle her winken, wo unser Zelt gestanden hat. Sie kommen zu uns her├╝ber, und setzen uns ├╝ber den j├╝ngsten Wetterbericht in Kenntnis, den sie vorhin im Radio geh├Ârt haben. F├╝r den Nachmittag sind Unwetter mit Sturmb├Âen, Gewitter und Hagel angek├╝ndigt. Von daher trifft es sich ganz gut, dass wir die heutige Tagesetappe vergleichsweise fr├╝h in Angriff nehmen k├Ânnen. Zudem haben wir die Option, nicht die ganze Strecke von 23,5 km bis nach Nittenau zu paddeln, sondern eventuell schon nach 16,5 km in Reichenbach Schluss zu machen, wo sich ebenfalls ein Zeltplatz befindet. Es folgt der Abschied — f├╝r Johanna und Dieter beginnt heute die Heimreise —, und uns wird fast ein bisschen wehm├╝tig. Nach den zweieinhalb Tagen mit den beiden haben wir das Gef├╝hl, unseren kompletten Urlaub mit ihnen verbracht zu haben — und in gewisser Weise ist das ja auch so.

Bevor wir loskommen, kommen wir noch einmal mit Wolfgang, dem Kanulehrer der Schulklasse ins Gespr├Ąch, vor der wir heute einen geh├Ârigen Vorsprung haben werden. Neben Weisheiten wie, klar kann man bei Gewitter weiterpaddeln, auf dem Fluss sei schlie├člich noch nie jemand vom Blitz erschlagen worden, gibt er uns noch Tipps, wie wir die vor uns liegenden Hindernisse bew├Ąltigen sollen. Beim n├Ąchsten Wehr sollen wir uns links halten und einfach dr├╝berfahren! Na gut!

Nicht weniger als sieben Wehranlagen liegen auf dem Weg nach Nittenau vor uns. Dass man wenigstens an der ersten nicht umtragen muss, h├Ârt sich vor dem Hintergrund eigentlich ganz gut an, zumal dieses Hindernis schon nach wenigen Paddelschl├Ągen hinter der Stra├čenbr├╝cke von Roding auf uns lauert. Wir halten uns an unsere Paddelbeschreibung und halten uns ab der Br├╝cke brav an der linken Seite. Zu unserer Rechten rauscht das Wasser ├╝ber mit B├╝schen durchsetzten Steine in den niedriger gelegenen Seitenarm des Flusses. Dann kommt das Wehr in Sicht, und wir halten nach den Hinweisschildern Ausschau, von denen in der Paddelbeschreibung die Rede ist. Fehlanzeige! Rechts von dem eigentlichen Wehr befindet sich so etwas wie eine Durchfahrt. H├Ątten wir nicht mit diesem Wolfgang gesprochen, w├╝rden wir dort jetzt einfach herunterfahren. Doch Wolfgang hat etwas von "links ├╝ber das Wehr fahren" erz├Ąhlt. Wir sind total verunsichert. Sollen wir auf unseren gesunden Menschenverstand h├Âren und rechts fahren, auf die Gefahr hin, dass dort unten ein paar hinterh├Ąltige Steine unter der Wasseroberfl├Ąche nur darauf warten, die Haut unseres Faltbootes aufzuschlitzen? Oder sollen wir gegen unser Gef├╝hl auf die Erfahrung des Kanulehrers vertrauen, und darauf dass er mit "links ├╝ber das Wehr fahren" auch das gemeint hat, was wir darunter verstehen? Wir entscheiden uns f├╝r letzteres! Das Boot schiebt sich mit dem Bug ├╝ber die Kante, senkt sich mit dem Bug in die Tiefe und schrabbt mit dem Hintern ├╝ber die Wehrkrone — eigentlich vollkommen logisch, das ist Physik! Wir haben noch Gl├╝ck, dass wir nicht h├Ąngen bleiben und kippen, aber dazu ist die Staustufe auch nicht hoch genug. Ich fluche laut, als wir unten ins Wasser klatschen. Warum nur l├Ąsst man sich immer wieder von dem doofen Gesabbel seiner Mitmenschen vom eigentlich schon als richtig erkannten Pfad abbringen! Zumindest ist jetzt schon mal klar, dass wir nicht bei Gewitter weiterpaddeln werden.

Wehr gegen├╝ber dem S├Ągewerk mit zwei sch├Ânen Wasserr├Ądern, die in Betrieb sind. Umtrage ├╝ber Waldweg. Opas sitzen uns im Nacken. Rastplatz Imhof

Wir gelangen in einen Flussabschnitt, wo der Regen sehr breit und langsam wird. Fast hat man das Gef├╝hl, auf einem See unterwegs zu sein. Das ganze ist ein sicheres Anzeichen daf├╝r, dass die n├Ąchste Staustufe vor uns liegt. Tats├Ąchlich taucht wenig sp├Ąter die Wehranlage Dicherling vor uns auf. Die Ausstiegsstelle, nicht viel mehr als eine Wiese mit platt getrampelter B├Âschung, befindet sich auf der linken Seite. Wir lassen uns ganz langsam darauf zu treiben. Und geben so den beiden Opas hinter uns Gelegenheit, an uns vorbei zu paddeln und zuerst auszusteigen. Ich lenke unser Faltboot zu einer Stelle, die ein paar Meter dahinter liegt, um die beiden nicht zu stressen. Leider erweist sie sich als recht matschig, so dass ich dann doch noch zu der Ausstiegsstelle muss, wo die beiden Opas ihr Boot an Land gezogen haben. Die beiden haben sich inzwischen zu einem P├Ąuschen niedergelassen und lassen die Umtragerei langsam angehen, so dass wir uns nun darum bem├╝hen m├╝ssen, keine allzu schlechte Figur bei unseren Geschleppe und Geschiebe abzugeben. Als wir das Boot schlie├člich auf dem Wagen haben und uns ├╝ber die zum Teil sumpfige und schwer zu befahrende Wiese flussabw├Ąrts in Richtung Einsetzstelle k├Ąmpfen, lassen uns die beiden den Vortritt, was mir ├╝berhaupt nicht passt, da ich mich jetzt beim langwierigen Wiederbepacken des Bootes leicht gestresst f├╝hle. Zu guter Letzt sitzen wir, nachdem auch ich schlie├člich wieder im Boot sitze, mit dem Hintern auf dem Grund fest. Die beiden lassen es sich nicht nehmen uns mit der empfindlichen Faltboothaut ├╝ber den kiesigen Untergrund ins Fahrwasser zu schieben. Am Ende bin ich nur froh, endlich wieder auf dem Fluss zu sein und die beiden winkenden Gestalten hinter uns lassen zu k├Ânnen.

Auch nach der Staustufe gewinnt der Regen nur sehr gem├Ąchlich wieder an Flie├čgeschwindigkeit. Wir arbeiten uns mehr schlecht als recht voran. Es ist schw├╝l geworden und wir f├╝hlen uns irgendwie zu matt, um unser Paddlerdasein in vollen Z├╝gen genie├čen zu k├Ânnen. Schlie├člich entscheiden wir uns, noch vor dem n├Ąchsten Wehr eine richtige Pause einzulegen. Wie so oft, wenn man auf einem Fluss unterwegs ist, erweist es sich als gar nicht so einfach, in der dicht bewachsenen B├Âschung mit dem matschigen Untergrund eine geeignete Ausstiegsstelle zu finden. Doch dann haben wir Gl├╝ck, als wir auf eine kleine von B├Ąumen umstandene Bucht sto├čen, wo wir einigerma├čen frei von Schlamm und Schmodder aus dem Boot steigen und dieses festmachen k├Ânnen. Wenige Schritte davon entfernt finden wir eine Parkbank, die den Radweg ziert, der hier das Ufer des Regens entlang f├╝hrt. Wir lassen uns auf ihr nieder und packen unsere Br├Âtchen aus. Bald ziehen die beiden Opas in ihrem Kajak wieder an uns vorbei. Als wir zu Ende gegessen haben, w├╝rden wir am liebsten schlafen. Es ist hei├č, und die Luft ist fast schon stickig. Wir ruhen uns noch ein Weilchen aus, dann schleppen wir uns wieder zu unserem Boot und paddeln weiter.

In Walderbach wartet das n├Ąchste Hindernis auf uns. In unserer Paddelbeschreibung steht, dass das dortige Wehr mit Treppen in der Mitte ausgestattet ist, ├╝ber die man es ├╝ber die Staustufe tragen k├Ânne. Das h├Ârt sich f├╝r mich sehr abenteuerlich an. Als die Anlage vor uns auftaucht, halten wir uns links und steuern mit mulmigem Gef├╝hl auf den Abgrund zu. Von Treppen ist nichts zu sehen. Alles was wir erkennen k├Ânnen, ist die Kante hinter der das gro├če Nichts auf uns wartet. Der Sog des Wassers zerrt gierig an unserem Boot, und ich traue mich nicht noch n├Ąher heran. Ein paar Dutzend Meter hinter uns haben wir eine Ausstiegsstelle an der linken Seite gesehen. Dort wollen wir erst einmal anlanden, um uns einen ├ťberblick zu verschaffen.

Nachdem wir zur├╝ckgepaddelt sind und das Boot sicher vert├Ąut haben, latschen wir einen kleinen Weg entlang, der flie├čend in das Privatgel├Ąnde eines S├Ągewerks ├╝berzugehen scheint. Zwischen uns und dem Fluss stehen H├Ąuser, und so bleibt uns nichts anderes ├╝brig, als weiterzugehen, bis wir einen Blick auf das Wehr erhaschen k├Ânnen. Schlie├člich endet die H├Ąuserreihe und wir gelangen an einer Stelle an den Fluss, wo wir unser Boot theoretisch auch einsetzen k├Ânnten, wenn wir es umtragen wollten. Ob wir das hier d├╝rfen, ist eine andere Frage. Von unserer Position aus sind die Treppen und ihre Lage innerhalb der Anlage gut zu sehen. Kordula ist sowieso gegen Umtragen, also pr├Ągen wir uns das ganze gut ein und latschen zur├╝ck zum Boot.

Bei unserer zweiten Anfahrt an das Wehr wissen wir zwar in etwa, wo die Stufen sind. Zu sehen ist jedoch auch diesmal nichts — nur Wasser, das in die Tiefe rauscht. Ich f├╝hle mich, als sollte ich mit einem aufgespannten Regenschirm vom Eiffelturm springen. Vorsichtig tasten wir uns an die Kante heran und sto├čen, auf einen betonierten Steg, der jedoch vollkommen ├╝berflutet ist. Deshalb also ist uns die Orientierung bis jetzt so schwer gefallen. Nun k├Ânnen wir gefahrlos aussteigen. Das Wasser auf dem Steg reicht etwa bis an unsere Fu├čkn├Âchel. Kordula wechselt auf die linke Seite der Treppe, dann dirigieren wir das Boot in eine g├╝nstige Position, von der aus wir es vorsichtig die Schr├Ąge hinablassen k├Ânnen. Ich bin schwer erleichtert, als wir das ganze endlich hinter uns haben und unseren Weg fortsetzen k├Ânnen.

Der f├╝hrt uns nach einiger Zeit zum Zeltplatz Reichenbach, wo sich nicht nur einer der als Raststellen gekennzeichneten Pl├Ątze entlang des Regens sondern zugleich auch eine ├ťbernachtungsm├Âglichkeit auf dem Sportplatzgel├Ąnde befindet. Da die dortige Toilette Kordula ohnehin ganz gelegen kommt, landen wir an, binden das Boot fest und nehmen die Parkbank oberhalb der Ausstiegsstelle in Beschlag. Sofort werden wir von einem kleinen Welpen belagert, der an den nahen Baum gebunden ist und dessen Leine fast, aber eben nur fast, bis zu uns reicht. Das H├╝ndchen stranguliert sich fast bei dem Versuch, diese Distanz irgendwie zu verkleinern. Irgendwann erscheint die Besitzerin auf der Bildfl├Ąche, um Lina, wie das H├╝ndchen offensichtlich hei├čt, von uns weg zu ziehen.

Wir plagen uns unterdessen mit der Entscheidung, ob wir hier bleiben und ├╝bernachten sollen oder ob wir weiter paddeln. Vom Campingplatz in Nittenau trennen uns noch 7 km und drei Umtragen. Vor allem letztere werden uns Zeit kosten und wieviel Zeit uns noch bleibt, ehe das Wetter umschl├Ągt wissen wir nicht. Der Himmel hat sich l├Ąngst in ein milchig-tr├╝bes Etwas verwandelt, das wenig gutes verhei├čt. Andererseits wird Nittenau in positivem Sinne etwas urbaner, sprich lebendiger sein, als diese doch recht wenig ansprechende H├Ąuseransammlung an einer Durchgangsstra├če, die Reichenbach darzustellen scheint. Die gro├če, wei├če Tafel, die den Wasserwanderer empf├Ąngt und darauf hinweist, dass man auf keinen Fall mit dem Zeltaufbau beginnen darf, ehe man sich nicht telefonisch beim Oberb├╝rgermeister des Ortes oder seinen Bevollm├Ąchtigten gemeldet hat, die einem einen Platz auf der Wiese zuweisen, spr├╝ht auch nicht gerade vor Gastfreundlichkeit. Wir entscheiden uns f├╝r Nittenau. In dem Moment, als wir unsere Pl├Ątze im Faltboot wieder eingenommen haben, fallen die ersten Regentropfen. Es sind nur ein paar vereinzelte Exemplare, doch die machen uns deutlich, dass es wenig wahrscheinlich ist, dass wir eine entspannte Tour nach Nittenau vor uns haben w├╝rden.

Wenig sp├Ąter sind wir damit besch├Ąftigt, unser Boot zu entladen und unser Zelt aufzubauen. Den Platz daf├╝r haben wir uns nun doch selbst ausgesucht, nachdem Kordula sich bei der Frau, die gerade die Toiletten reinigt, vergewissert, dass das so in Ordnung ist. Wir stellen das Zelt nahe einer kleinen, zu den Seiten hin offenen Holzh├╝tte mit Sitzb├Ąnken auf, um bei Starkregen einen nahen Zufluchtsort zu haben. Doch der Regen bleibt vorerst aus. Eine Untersuchung der Unterseite unseres Bootes ergibt zu unserer Erleichterung, dass unser kleines Abenteuer am Wehr in Roding glimpflich ausgegangen ist und der Kielstreifen die Bootshaut vor schlimmeren Folgen bewahrt hat.

Obwohl wir immer noch ziemlich schlapp sind, ├╝berredet Kordula mich zu einem kleinen Rundgang durch den Ort. Allzu erbaulich ist das nicht. Wir gehen flussabw├Ąrts, bis wir zu einer Kneipe mit Biergarten kommen. Auf einem Schild lesen wir, dass der Schuppen ab 17.00 Uhr ge├Âffnet sein soll. Das heitert uns etwas auf. Wenn es wetterm├Ą├čig hart auf hart kommt, k├Ânnten wir uns auch hier die Zeit vertreiben. Wir gehen weiter und halten dabei nach einem B├Ącker oder ├Ąhnlichem Ausschau. Fehlanzeige! Auf einer Bank nahe der Stra├čenbr├╝cke ├╝ber den Regen g├Ânne ich meinen schweren Beinen ein wenig Ruhe. Der Wind, der w├Ąhrend der letzten Stunde best├Ąndig zugenommen hat, weist mittlerweile Orkanst├Ąrke auf. Der Himmel jedoch sieht aus wie leergefegt — kein Regenw├Âlkchen zu sehen. Doch wirklich Freude h├Ątten wir nicht, wenn wir nun noch auf dem Wasser und auf dem Weg nach Nittenau w├Ąren, denn dann w├╝rde uns der Sturm voll entgegen blasen.

Kordula scheucht mich von der Bank auf und treibt mich schlie├člich sogar den Berg hinauf, wo sich das Kloster befindet, das dem Ort seinen Namen gegeben hat. Doch ein Laden findet sich auch hier nicht. ├ťberhaupt wirkt das alles hier sehr verschlafen. Wozu es hier B├╝rgersteige gibt, erschlie├čt sich uns nicht. Wir umrunden das Klosterareal und gehen auf der anderen Seite wieder den Berg hinunter, wobei wir auf den Klosterladen der Behindertenwerkstatt treffen. Der macht aber auch gerade zu, es ist 17.00 Uhr. Kordula ist entt├Ąuscht, bei mir h├Ąlt sich das eher in Grenzen. Als wir wieder unten sind, kommen wir abermals an der Kneipe vorbei, die inzwischen eigentlich ge├Âffnet haben m├╝sste. Hat sie aber nicht. Das Schild im Fenster, wonach Donnerstag, 23. Juli, geschlossen ist, entdecken wir erst jetzt. Leicht demoralisiert schlurfen wir zur├╝ck zum Zeltplatz. Dort geht es inzwischen hoch her. Wolfgangs Schulklasse ist eingetroffen und macht sich in einer Ecke des Gel├Ąndes breit. Logisch, dass sie wenig sp├Ąter auch die kleine Holzh├╝tte zehn Meter von unserem Zelt entfernt okkupieren, die wir insgeheim schon zu unserem Wohnzimmer auserkoren haben.

Unser Abendessen besteht an diesem Abend mangels gastronomischen Angebots aus Erasco-Fleischb├Ąllchen und Kartoffelp├╝ree. Im tiefsten lappl├Ąndischen Urwald w├╝rde uns das wahrscheinlich sogar schmecken, doch die bajuwarische Zivilisation hat uns w├Ąhrend der letzten Tagen von Grund auf verdorben. Die ersten Bissen sind dabei gar nicht mal so schlecht, doch am Ende der Mahlzeit hat man Lust, noch irgendwo ein paar Pommes und eine gro├če Cola zu trinken, um danach ordentlich r├╝lpsen zu k├Ânnen. Dass wir uns unseren Sitzplatz mit einer Horde Jugendlicher teilen m├╝ssen, steigert das kulinarische Empfinden auch nur bedingt. Zwischenzeitlich kommt taucht die Frau auf, die am Nachmittag die Sanit├Ąrgeb├Ąude gereinigt hat und den Platz hier verwaltet, um die ├ťbernachtungsgeb├╝hr — 8,00 Euro f├╝r uns beide zusammen — zu kassieren. Von ihr erfahren wir, dass es auf der anderen Seite des Flusses einen Laden gibt, wo wir am n├Ąchsten Morgen Br├Âtchen kaufen k├Ânnen.

Als es uns nach dem Essen irgendwann zu eng wird, verziehen wir uns in unser Zelt. Kordula verkriecht sich in ihren T.C. Boyle-Roman, w├Ąhrend ich lustlos daliege, den Abend an mir vorbeiziehen lasse und die Fleischb├Ąllchen von Erasco zu ignorieren versuche, die mir im Minutentakt aufsto├čen. Noch ehe ich mich zu irgendeiner Art von Aktivit├Ąt aufraffen kann, die sich au├čerhalb der ├Âden Zeltplane durchf├╝hren lie├če, l├Ąsst sich ein melodisches Klopfen auf der Au├čenhaut unserer Behausung vernehmen, das allm├Ąhlich an Intensit├Ąt und Beats per minute zulegt. Es regnet. W├Ąhrend mit dem Abend die D├Ąmmerung hereinbricht, gewittert es auch ein, zwei Mal. Wenigstens hat sich der Wind inzwischen beruhigt, und der angek├╝ndigte Hagel bleibt uns auch erspart. Trotzdem bin ich nun richtig gefrustet. Was f├╝r ein verkorkster Nachmittag und was f├╝r ein ├Âder Abend!

Als der Regen schlie├člich nachl├Ąsst, raffen wir uns dann noch zu einem etwas vers├Âhnlicher stimmenden Abendspaziergang auf. Er f├╝hrt uns ├╝ber die Br├╝cke, auf die andere Flusseite und schlie├člich zu dem Frischmarkt, den uns die Verwalterin des Zeltplatzes beschrieben hat. Der hat zwar l├Ąngst zu, aber irgendein Ziel braucht man schlie├člich, und wenn es noch so sinnfrei ist. Unterwegs werden wir von einem Hund angebellt, der vor einer Haust├╝r angebunden ist. Die Besitzerin, die prompt nach drau├čen kommt, entpuppt sich als die Zeltplatz-Verwalterin, die uns und unser Vorhaben sofort erkennt — scheinbar ist es eine Selbstverst├Ąndlichkeit in diesem Ort bei einem Abendspaziergang den geschlossene Lebensmittelladen anzusteuern, was gibt es hier denn sonst — und uns nochmals erkl├Ąrt, dass der Laden um die n├Ąchste Kurve liegt. Nachdem wir uns den Laden dann tats├Ąchlich von au├čen angesehen haben und uns auf dem R├╝ckweg abermals von dem Hund der Zeltplatz-Verwalterin haben ankl├Ąffen lassen, f├Ąllt uns auf, dass wir gar nicht nach den ├ľffnungszeiten gesehen haben. Aber ein drittes Mal wollen wir uns von dem K├Âter nicht ankl├Ąffen lassen, wir haben schon genug Unruhe in dem ├ľrtchen verursacht, und so gehen wir schlie├člich zur├╝ck zu unserem Zelt.

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