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Regensburg


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[Di, 28. Juli 2009]

Mit langem Ausschlafen wird es an diesem Morgen nichts. Wir wollen nach Vohburg, um unser Auto nachzuholen. Dementsprechend frĂŒh kreuze ich vor der Rezeption des Campingplatzes auf, wo wir am Vortag Brötchen fĂŒrs FrĂŒhstĂŒck vorbestellt haben. Um 8.00 Uhr, so hat man uns eingebleut, könne man diese abholen. Ich bin etwa zehn Minuten frĂŒher da, bin jedoch nicht der einzige. Bald bildet sich hinter mir eine kleine Schlange, die geduldig und bußfertig darauf wartet zur Audienz vorgelassen zu werden. Noch hat die Rezeption nĂ€mlich geschlossen, was nicht heißt, dass diese nicht besetzt ist. Im Inneren wartet man ebenfalls. Die BrötchentĂŒten stehen bereit. Wirklich etwas anderes zu tun, als hinaus auf die Wartenden zu starren, hat man offenbar auch nicht. Aber das ist lĂ€ngst kein Grund, dem Camper-Pöbel dort draußen auch nur eine Minute frĂŒher als unbedingt notwendig, Einlass in die heiligen GemĂ€cher der hiesigen Regenten zu gewĂ€hren. Schließlich erreicht der Zeiger der Uhr dann doch die magische Grenze. GemĂ€chlich bequemt man sich im Innern der Rezeption hinter dem Schalter hervor, schlendert zur EingangstĂŒr und steckt den SchlĂŒssel in Schloss. Am Schalter heißt es dann in guter alter Kasernenhofmanier nur "Name?". Einen Moment lang bin ich versucht zu salutieren und meinen Dienstgrad gleich mit zu nennen, doch ich reiße mich zusammen. Wenig spĂ€ter werde ich mit meiner BrötchentĂŒte in die Freiheit entlassen.

Der Sommer scheint an diesem Morgen eine kleine Atempause einlegen zu wollen. In der FrĂŒhe hat es ein wenig geregnet. Draußen ist es dehalb etwas klamm, was uns aber nicht daran hindert, uns auf die Biertischgarnitur-Bank, die wir uns gestern direkt nach unserer Ankunft gesichert haben, zu setzen und das FĂŒhstĂŒck zu genießen.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck nehmen wir den Bus in die Stadt, der um 9.10 Uhr fahren soll, sich aber noch ein paar Minuten Zeit lĂ€sst, ehe er kommt. Kordula traut sich nicht, die nicht entwerteten Tickets von gestern abend zu benutzen, also kaufen wir erst einmal brav neue. Die anderen können wir ja hinterher immer noch benutzen. Wir fahren bis zur Haltestelle Albertstraße. Von dort sind es nur ein paar Minuten bis zum Bahnhof, so dass sich das Umsteigen auf eine andere Buslinie nicht lohnt. Unsere Bahnfahrkarten ziehen wir am Automaten. Dann gehen wir zum Bahnsteig, wo der Zug bereits wartet. Um 9.44 Uhr geht's los. Bei Riegling fĂŒhrt die Eisenbahnlinie ĂŒber die Donau. Erst gestern sind wir hier entlang gepaddelt. Zwischen Sinzing und Gundelshausen fĂ€hrt der Zug noch am Flussufer entlang. Danach bekommen wir von der Donau eher wenig zu sehen, da sich die Bahnlinie immer wieder in respektvollem Abstand vom Ufer fernhĂ€lt. Ab Saal ist es dann damit endgĂŒltig vorbei — ein Umstand, der sich auch mit Erreichen des Bahnhofs Vohburg um 10.41 Uhr nicht Ă€ndert.

Dass sich der Bahnhof von Vohburg etwas außerhalb der Innenstadt befindet, hatten wir bei unserem Aufenthalt dort vor drei Tagen auf dem Stadtplan bereist gesehen. Dass er sich jedoch im absoluten Nirvana befindet, haben wir dabei nicht erkannt. Eigentlich hĂ€tten wir zumindest damit gerechnet, eine Bushaltestelle, einen Taxistand oder zumindest eine Telefonzelle vorzufinden. Nichts dergleichen! Der Zug hĂ€tte genauso gut an einer Kuhweide halt machen können. Mich wurmt, dass ich eigentlich gewarnt war. Als unsere Vohburg-Nachbarn gestern erzĂ€hlten, sie wollten heute ihr Wohnmobil nachholen, hatten sie schon erwĂ€hnt, dass sie mit dem Zug bis nach Ingolstadt und von dort mit dem Bus nach Vohburg fahren wollten, weil das mit dem Aussteigen in Vohburg nicht so gĂŒnstig sei. Ich habe es nicht wahr haben wollen.

Wir stapfen zu einer Ansammlung von HĂ€usern, die sich in der NĂ€he befinden. Von dort aus lĂ€sst sich in ertrĂ€glich erscheinender Ferne ein Kirchturm ausmachen. Das muss Vohburg sein. Wir halten darauf zu. Zum GlĂŒck fragt Kordula bei einem Ă€lteren Herrn noch mal nach, der sich im Vorgarten eines der HĂ€uschen befindet. Nein, Busse gebe es hier nicht, das sei leider so, und der Weg nach Vohburg, gehe in die andere Richtung als die, die wir gerade eingeschlagen haben, nicht entlang des asphaltierten StrĂ€ĂŸchens, sondern zwischen Äckern und Feldern hindurch, da lang. Dabei zeigt er in eine Richtung, in der die Horizontlinie durch eine Reihe weit entfernter Baumreihen gestellt wird. Der Sohn des Alten, der kurz danach hinzukommt, bestĂ€tigt diese Angaben und teilt auch unser UnverstĂ€ndnis darĂŒber, dass dieses verfallende Etwas, wo wir vorhin ausgestiegen sind, sich als Bahnhof Vohburg bezeichnen darf, denn das hier sei nicht Vohburg, sondern Rockolding.

Wir fĂŒgen uns in unser Schicksal und stapfen drauf los. NatĂŒrlich könnten wir jetzt versuchen, per Handy ein Taxi in diese Ackerlandschaft zu dirigieren, doch was soll's. Die Sonne setzt sich langsam wieder durch, und wir sind Wanderurlauber. Diese Dinge gehören einfach dazu, das war schon immer so. Die erste HĂ€lfte des etwas mehr als 4 km Fußwegs, an dem wir uns eine gute Dreiviertelstunde abarbeiten, bietet keine landschaftlichen Höhepunkte. Felder, Wiesen, BĂ€ume, ein Bach, der uns die meiste Zeit begleitet — das war's. Die einzige Spannung resultiert aus dem Umstand, dass wir bis kurz vor der Stadtgrenze von Vohburg nicht ein einziges GebĂ€ude erblicken, weil hinter der einen Baumreihe, die einem den Blick verstellt, direkt wieder die nĂ€chste kommt. Wenigstens latschen wir so nicht die weiter westlich verlaufende, viel befahrene Verkehrsstraße entlang. Angesichts der dĂŒnnen Sohlen meiner Schuhe, durch die ich jedes Steinchen spĂŒre, hĂ€tte jedoch auch dies seine VorzĂŒge.

Dann sind wir in der Stadt. Die Spannung steigt — ist unser Auto auch noch da? Wir durchqueren die Innenstadt, halten Kurs auf die DonaubrĂŒcke, gehen an der dort gelegenen Pizzeria vorbei und sehen ... unser Auto — unbeschĂ€digt! Unsere Wiedersehensfreude ist wie stets bei solchen AnlĂ€ssen grenzenlos.

Wenig spĂ€ter rollen wir ein letztes Mal durch die Vohburger Innenstadt. Wir tanken, dann lassen wir die Stadt hinter uns. Wir folgen der B16 und wechseln bei der Anschlussstelle Abensberg auf die A93, die wir in Regensburg-PrĂŒfening wieder verlassen. Von dort sind es nur ein paar StraßenzĂŒge, die uns vom CampinggelĂ€nde trennen. FĂŒr die etwa 60 km brauchen wir deutlich unter einer Stunde. Das Auto stellen wir draußen auf dem zugehörigen Parkplatz ab. Reinfahren dĂŒrfen wir damit nur, um unsere AusrĂŒstung einzuladen — wie das Boot, das noch immer frech hinter unserem Zelt steht.

Nach einer kleinen Mittagspause vorm Zelt, bei der wir den Rest unserer FrĂŒhstĂŒcks-Brötchen vertilgen, macht Kordula ein Nickerchen, wĂ€hrend ich mich an den Abbau des Faltboots mache. Das Boot ist inzwischen schön trocken. Die Sonne hat die Regentropfen der Nacht zum Verschwinden gebracht. Wie immer wird mir beim letzten Abbau im Urlaub ein bisschen wehmĂŒtig ums Herz. Als ich alles schön verpackt habe, gehe ich mit dem kleinsten der drei SĂ€cke zum Parkplatz zurĂŒck, um unser Auto zu holen. An der Einfahrt hat sich ein kleiner Stau gebildet. Vier Wohnmobile oder AnhĂ€ngergespanne warten vor der geschlossenen Schranke darauf eingelassen zu werden. Auf einem Schild lese ich dann, dass die Schranke wĂ€hrend der bis 15.00 Uhr wĂ€hrenden Mittagspause geschlossen bleibt. Ich mache mir diesmal nicht die MĂŒhe, ins Innere der Rezeption zu schielen, ob der Rausschmeißer und seine Kollegin jetzt wieder da drin sitzen und stumpfsinnig auf die Warteschlange starren. Da ich keine Lust habe, ĂŒber eine halbe Stunde zu warten, bis die Schranke wieder offen ist, um dann wahrscheinlich nochmals zu warten, bis der Stau abgeflossen ist, gehe ich zum Zelt zurĂŒck und schleppe nacheinander die verbleibenden SĂ€cke zum Auto.

Um 15.55 Uhr steigen wir an der Haltestelle vor dem Campingplatz wieder in den Bus der Linie 6 in Richtung Innenstadt, diesmal unsere Reste-Tickets von gestern abend verwertend. Am Fischmarkt steigen wir wieder aus. Kordula schleppt mich durch ein paar LĂ€den, wobei wir einen Spiegel entdecken, der so aussieht, als wolle er demnĂ€chst in unserem Flur herumhĂ€ngen. Er ist heruntergesetzt, leider aber zu groß, um ihn jetzt mit sich durch die Gegend zu schleppen. Wir wollen ihn am nĂ€chsten Tag kaufen, falls er uns dann noch gefĂ€llt.

Beim TouristenbĂŒro melden wir uns fĂŒr eine StadtfĂŒhrung an, die am nĂ€chsten Morgen um 10.00 Uhr stattfinden soll. Dann bummeln wir noch ein wenig umher, nehmen unter anderem die Porta Praetoria, die historische Wurstkuchl, den Dom und natĂŒrlich die Steinerne BrĂŒcke in Augenschein. Letztere fĂŒhrt uns auf die andere Seite der Donau nach xxx, wo wir auf einer zwischen Donau und Regen liegenden Insel (XXX) einen hĂŒbschen, aber sehr vollen Biergarten entdecken. Da sich allmĂ€hlich auch unser Appetit wieder regt, halten wir noch ein wenig nach Alternativen Ausschau, doch nichts kommt an den Biergarten von eben mit seinem Ausblick auf die Regensburger Stadtkulisse heran. Also gehen wir dorthin zurĂŒck, und haben das GlĂŒck, an einem der der Donau zugewandten Tische zwei PlĂ€tze zu ergattern. Höchste Zeit, es ist bereits nach 22.00 Uhr.

Das Gasthaus, zu dem der Biergarten gehört, trĂ€gt den Namen Alte Linde. Der Kellner sorgt mit kernigen SprĂŒchen fĂŒr Unterhaltung. Wir lassen uns ein helles und ein dunkles Bier bringen. WĂ€hrend Kordula Steaks von dem großen Grill am Eingang bestellt, suche ich mir etwas aus der Karte mit Sauerkraut und Schupfnudeln aus. WĂ€hrend wir warten, tauchen zwei junge Kerle im Outfit fahrender Handwerker auf, gehen von Tisch zu Tisch, und sammeln Geld fĂŒr die Übernachtung. Auch Kordula zeigt sich spendabel, als der eine von ihnen sich bei uns vorstellt.

Dann kommt nacheinander das Essen, und wir genießen noch einmal bayrische KĂŒche in urtĂŒmlicher AtmosphĂ€re. Nach gut zwei Stunden und einem weiteren Bier machen wir uns auf den Nachhauseweg. Kordula gönnt sich unterwegs an einer Eisdiele bei der Steinernen BrĂŒcke noch ein Eis und Ă€rgert sich anschließend darĂŒber, dass das, was sie bekommen hat, die Bezeichnung Amarena Kirsche tragen darf. Den Weg zum Campingplatz bewĂ€ltigen wir zu Fuß, rechts von uns die Donau, ĂŒber uns funkelnde Sterne. Schließlich haben wir heute morgen in Vohburg ja ordentlich dafĂŒr trainiert.

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