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Wanderung um Bad Kötzting


Geländedarstellung: © 1998 Microsoft (Encarta)
[Mo, 20. Juli 2009]

W√§hrend wir bei Sonne und Wolken die gestern abend an der Rezeption vorbestellten Br√∂tchen am Tisch auf der Veranda unserer H√ľtte vertilgen — mit frisch aufgegossenem Kaffee aus unserer Kaffeepresskanne und richtiger Milch und Butter, beides Reste, die wir uns von zu Hause mitgebracht haben —, schmieden wir Pl√§ne f√ľr unseren ersten richtigen Urlaubstag. Wir wollen nach Bad K√∂tzting wandern, durch das St√§dtchen bummeln und dann wieder zur√ľck nach Blaibach marschieren. Wegweiser f√ľr Wanderrouten haben wir gestern abend im Ortskern zuhauf gesehen. Au√üerdem hoffen wir beim Touristeninformationsb√ľro eine Wanderkarte oder √§hnliches zu ergattern.

Am gestrigen Abend haben wir versucht, Johanna und Dieter, Nachbarn von uns, auf ihrem Handy zu erreichen. Die beiden befinden sich schon seit zwei Wochen in Bayern, und bei ihrem Aufbruch haben wir locker verabredet, uns vielleicht einmal hier zu treffen. Nachdem Dieter uns am Freitag vor unserer Abreise angerufen und gefragt hat, zu welchem Zeitpunkt wir an welchem Ort sein werden, wollen wir ihm nun mitteilen, dass wir mit einem Tag Verspätung in Blaibach eingetroffen sind und bis morgen hier bleiben wollen. Am gestrigen Abend war Dieters Handy nicht an, und auch an diesem Morgen bleibt uns nur seine Mailbox, auf der wir unsere Nachricht hinterlassen können.

Bald ist unser Tagesrucksack gepackt und wir brechen auf. Der Abstecher zum Touristeninformationsb√ľro f√§llt kurz aus. Als wir mitbekommen, dass die Leute vor uns in das kleine B√ľro stapfen, erst einmal wegen der Kurtaxe zur Kasse gebeten werden, machen wir e√≠nen R√ľckzieher. Daf√ľr ergattere ich im Vorraum ein Prospekt, das mich in seinen Bann schl√§gt. Es wirbt f√ľr eine B√§rwurzerei in Bad K√∂tzting, wo man 70 verschieden Schnapssorten verkosten kann. In B√§rwurzereien, das wei√ü ich, wird auch jenes verg√∂tterungsw√ľrdige Getr√§nk mit dem Namen Blutwurz hergestellt. Keine Frage, da muss ich hin!

Gegen√ľber der kleinen Blaibacher Kirche im Rokoko-Stil aus dem 18. Jahrhundert entdecken wir eine Tafel, auf der die Wanderwege um Blaibach verzeichnet sind. In Richtung Bad K√∂tzting gibt es auch einen. Er f√ľhrt die Bezeichnung B3. Ihm wollen wir folgen. Zun√§chst geht es √ľber schmale Str√§√üchen zwischen Feldern hindurch, vorbei an dem einzigen Anwesen des Weilers Hill. Dahinter f√ľhrt der Weg in den Wald.

Ein Doppelg√§nger vom R√§uber Hotzenplotz √ľberholt uns auf einem bockendem und stinkendem Moped, bleibt zwischenzeitlich mit dem Ding liegen und √ľberholt uns erneut. Irgendwann wird der Weg matschig. Mir macht das wenig aus, ich habe Wanderschuhe an. Kordula mit ihren Trekkingsandalen ist da weniger gut ger√ľstet.

Zeitweise sorgen die zahlreich vorhandenen Wegweiser f√ľr etwas Verwirrung, da in der Richtung in der wir gehen nicht Bad K√∂tzting sondern Blaibach ausgeschildert ist, und wir m√ľssen uns daran erinnern, dass wir uns auf einem Rundweg befinden. Vorbei an einem ausgelassenen Weiher, wo uns ein Einheimischer auf eine dort umherspazierende Entenfamilie aufmerksam macht, und entlang des Bachlaufs des Steinbach geht es schlie√ülich durch enges Gestr√ľpp wieder talw√§rts. Ich habe etwas Respekt vor den Zecken, deren Biss in dieser Gegend FSME verursachen kann, und suche hin und wieder unsere Waden nach verd√§chtigen Krabbeltieren ab.

Bei einem Hotel in Harras treffen wir auf die Stra√üe, wo ein √§lterer Anwohner willkommene Zuh√∂rer in uns findet, als wir nicht wissen, ob wir rechts oder links weitergehen sollen. Hier verlassen wir den markierten Rundwanderweg, der an dieser Stelle √ľber eine abzweigende Stra√üe zur√ľck in den Wald und auf k√ľrzerem Weg wieder nach Blaibach f√ľhrt. Nachdem wir die Stra√üe, die angrenzende Bahnlinie und den Fluss dahinter, den Wei√üen Regen, √ľberquert haben, machen wir Mittagsrast auf einer Bank neben dem am Fluss verlaufenden Radweg. Es ist sonnig, und die restlichen Br√∂tchen, die uns vom Fr√ľhst√ľck geblieben sind, schmecken hervorragend zu den von uns importierten Salami-W√ľrstchen.

Nach einiger Zeit setzen wir unseren Weg Richtung S√ľden fort, ehe uns d√§mmert, dass sich dort der Blaibacher See befinden muss, Bad K√∂tzting also in der entgegengesetzten Richtung liegt. Die Stadt bereits in Sichtweite m√ľssen wir erst noch unter einer Stra√üenbr√ľcke hindurch und dem gewundenen Flusslauf folgen, ehe wir √ľber eine Fu√üg√§ngerbr√ľcke hinweg in den Kurpark gelangen. Kordula nutzt die Gelegenheit, um in einem Kneippbecken ihre Unerschrockenheit gegen√ľber kaltem Wasser zu demonstrieren. Unter einer Eisenbahnunterf√ľhrung hindurch, vorbei an der auf einem burg√§hnlichen Fundament thronenden Stadtpfarrkirche gelangen wir schlie√ülich in die belebte Innenstadt von Bad K√∂tzting.

In einer Drogerie erstehen wir einen Sp√ľllappen, da wir zuhause vergessen haben, einen einzupacken, und kaufen nebenbei noch eine Packung Prinzenrollen-Kekse. Danach schlendern wir zur√ľck zu dem Eiscafé, das wir zuvor gesehen haben. W√§hrend wir im √ľberdachten Au√üenbereich sitzen und uns Café, Cappuccino, ein St√ľck Tiramisu, desssen Creme leider nur mit Sahne zubereitet ist, was aber trotzdem schmeckt, und ein St√ľck Torte bestellen, wird die Sonne durch einen ersten kurzen Regenschauer abgel√∂st. Als wir das Eiscafé verlassen, ist der Spuk jedoch schon wieder vorbei.

Jetzt gilt es die Pfingstreiterstra√üe und die dort befindliche B√§rwurzerei zu finden. Auf dem Weg dorthin kommen wir zwar an einem Laden mit der Aufschrift B√§rwurzerei vorbei, doch da st√ľrmt gerade ein Paar aus dem Gesch√§ft, die Worte "Wenn man hier nicht probieren kann, dann kaufen wir hier auch nicht" auf den Lippen. Da k√∂nnen wir ihnen mit unserem Prospekt weiterhelfen. Leider kommen sie nicht auf die Idee, uns als Dankesch√∂n in ihrem Auto mit in die Pfingstreiterstra√üe zu nehmen, so dass wir noch ein ganzes St√ľck zu Fu√ü bew√§ltigen m√ľssen, ehe die B√§rwurzerei Drexler in Sicht kommt. Der gro√üe Parkplatz, der neben PKWs auch gen√ľgend Platz f√ľr Touristenbusse bietet, l√§sst erahnen, dass hier gesch√§ftst√ľchtige Leute das Zepter schwingen. Jenseits der Hofeinfahrt wartet ein Erlebnisgarten unter anderem mit Fotomotiven auf, die sich auf den Etiketten der hier verkauften Spirituosen wiederfinden. Aus einem Lautsprecher √ľber dem Eingang zum Laden erschallt bayrische Volksmusik. Und im Inneren steppt der B√§r! Trotz des regen Publikumsverkehrs herrschen an der Verkostungstheke keine allzu langen Wartezeiten, und so k√∂nnen wir den ein oder anderen Tropfen probieren. Neben dem Blutzwurz-Lik√∂r und dem Blutwurz-Schnaps findet vor allem der Knoblauch-Schnaps unser Interesse — ein einzigartiges, gleicherma√üen absto√üendes wie faszinierendes Ges√∂ff, von dem wir Kordulas Schwester unbedingt eine Pulle mitbringen m√ľssen. Auch f√ľr Kordulas Papa, meine Mutter und meine Schwester finden wir hier schon unsere Urlaubs-Mitbringsel — so schnell wie dieses Mal haben wir dieses oft l√§stige Urlaubskapitel noch nie gel√∂st bekommen.

Nach dem Bezahlen sehen wir noch kurz in das Schnapsbrennermuseum im Obergeschoss des Ladens, dann wanken wir wieder hinaus ins Freie. Obwohl wir uns das gute halbe Dutzend an Schn√§psen, die wir probiert haben, geteilt haben, macht sich die Wirkung des Alkohols in unseren Beinen bemerkbar. Nach ein paar Erinnerungsfotos machen wir uns zur√ľck auf den Weg zum Kurpark und von dort weiter in Richtung Blaibacher See.

Inzwischen hat sich Dieter auf Kordulas Handy gemeldet und mitgeteilt, dass er und Johanna auf dem Weg nach Blaibach sind, wo sie sich am Abend mit uns treffen wollen.

Bad K√∂tzting liegt bereits ein gutes St√ľck hinter uns, als das Wetter zu einem weiteren Schlag ausholt. Wieder scheint es nur ein kurzer Schauer zu sein. Wir befinden uns in einem Waldst√ľck, nicht weit von der Stelle, wo wir vor einigen Stunden auf der Bank eine Rast eingelegt haben. Als Schutz dient uns lediglich das Bl√§tterwerk der B√§ume und Kordulas Regenjacke, die wir im Stil einer Zeltplane √ľber uns halten. Eine zweite haben wir nicht dabei, denn meine neue Regenjacke liegt noch bis zum 29. als Geburtstagsgeschenk verpackt in unserem Auto. Zun√§chst f√§llt es uns nicht schwer das Ereignis von der humoristischen und romantischen Seite aus zu betrachten. Doch dann wird der Regen st√§rker und die Schutzfunktion der B√§ume wie auch der Regenjacke beginnt sich zu ersch√∂pfen. Meine rechte Schulter sowie der Rucksack beginnen bereits zu triefen. Verzweifelt stapfen wir zu einem kleinen Schuppen zur√ľck, obwohl klar von weitem deutlich sichtbar ist, dass der Dachvorsprung zu schmal ist, als dass sie uns vor weiterer N√§sse von oben bewahren k√∂nnte. Doch dann entdecken wir neben dem Schuppen einen Durchgang auf das Privatgrundst√ľck, zu dem er geh√∂rt. An dem Haus darauf sind alle Roll√§den heruntergelassen, es ist also niemand da, und der Dachvorsprung ist so breit, dass es darunter sch√∂n trocken ist. Eine kleine Bank findet sich auch noch, also nichts wie hin! Kurz darauf l√§sst der Regen nach und sie Sonne verwandelt die Landschaft in ein dampfendes, gl√§nzendes Etwas. Schade, dass wir nicht eher hierher gefunden haben, doch der Sonnenschein vers√∂hnt uns schnell, und so setzen wir unseren Weg entlang des Radweges am Flussufer in Richtung Blaibacher See fort.

√úber die Staumauer hinweg, wo die Wasser des Schwarzen und des Wei√üen Regens zusammenflie√üen, gelangen wir an das S√ľdufer des Regens. An einer Bank am Regenufer legen wir noch einmal eine kleine Pause ein. Der Feuchtigkeitsgrad unserer Klamotten hat schon wieder ein einigerma√üen ertr√§gliches Level erreicht. Als wir unseren Weg fortsetzen, kommen uns zwei Radfahrer entgegen. Es sind Dieter und Johanna, die inzwischen ihr Wohnmobil auf dem Blaibacher Campingplatz abgestellt haben, und nun eine kurze Radtour zum Blaibacher See machen wollen. Wir verabreden uns zum Grillen vor oder auf der Veranda unserer H√ľtte — je nachdem was das Wetter heute abend im Schilde f√ľhrt — vorrausgesetzt wir schaffen es noch, ein paar Grillw√ľrstchen aufzutreiben. Dann verabschieden wir uns f√ľrs Erste und erreichen nach kurzer Zeit den Ortsrand von Blaibach und unseren Campingplatz.

Um zu der Metzgerei im Ortsinneren zu marschieren, die wir am Morgen gesehen haben, ist es bereits zu sp√§t, und so verlassen wir uns auf die gro√üz√ľgigen Laden√∂ffnungszeiten der Norma-Filiale, die wir auf dem Weg nach Blaibach gestern gesehen haben, kurz bevor wir den Ort erreicht haben. Letzteres relativiert sich schnell, als wir mit dem Auto auf die Suche gehen und schlie√ülich bis nach Miltach fahren m√ľssen, wo wir einen Edeka-Markt finden. Weil wir uns nicht so richtig zwischen den unterschiedlichen W√ľrtschensorten entscheiden k√∂nnen, decken wir uns gleich mit drei verschiedenen Sorten ein und verlassen mit viel zu vielen W√ľrstchen und zwei Aufbackbroten den Laden. Bier und Kohle brauchen wir nicht, weil Dieter von beidem noch hat.

Der Abend wird richtig sch√∂n! Der Himmel ist glasklar und pr√§sentiert uns mit der Abendd√§mmerung, vor denen sich die Berge des Bayrischen Waldes als schwarze Silhouetten abzeichnen, ein herrliches Naturschauspiel. Lediglich die Temperaturen lassen noch nicht an Hochsommer denken. Doch das macht uns nichts. Unser Faltboot haben wir inzwischen aufgebaut, nun wartet es vor der H√ľtte liegend auf seinen ersten Einsatz in diesem Urlaub. Wir sitzen um den Tisch herum, den wir von der Veranda unserer H√ľtte, von der nun auch die rechte Doppelh√ľttenh√§lfte bewohnt ist, auf das Rasenst√ľck davor geschleppt haben, erz√§hlen uns von unseren Urlaubserlebnissen, die bei Johanna und Dieter stark von dem regenerischen Wetter der vergangenen beiden Wochen gepr√§gt sind, schmieden Pl√§ne f√ľr den kommenden Tag, an dem wir gemeinsam den Regen flussabw√§rts bis nach Cham paddeln wollen, und vertilgen Dieters Bier, Johannas Salat und nach und nach alle W√ľrstchen bis auf den letzten Zipfel, ehe wir satt und zufrieden in unsere Kojen fallen.

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