ZurŘckWeiter Home Druckansicht Kartenausschnitt vergrößert anzeigen
Regen-Tour


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[Fr, 24. Juli 2009]

Das Unwetter von gestern abend, von dem bei uns ja insgesamt recht wenig angekommen ist, hat die Luft gr├╝ndlich gereinigt. Es ist deutlich k├╝hler, aber der Himmel ist klar und die Luft frisch und nicht mehr so schw├╝l. Um 7.45 Uhr mache ich mich auf den Weg zu dem Laden, den wir gestern abend noch auskundschaftet haben, um Br├Âtchen zu holen. Nat├╝rlich bin ich dort nicht alleine. Auch Wolfgangs Schulklasse belagert die Backtheke. Wenig sp├Ąter belagern sie auch wieder die kleine Holzh├╝tte. Wir verzichten darauf, uns dazwischen zu dr├Ąngen und fr├╝hst├╝cken im Gras vor unserem Zelt. Dabei geht der letzte Rest Butter und der letzte Rest Erdbeer-Marmelade drauf, die wir uns mitgebracht hatten. W├Ąhrend wir danach packen, r├Ąumt auch die Schulklasse ihr Zeug zusammen — diesmal warten jedoch nicht die Kanadier auf sie, sondern ein Bus. Die Bootswanderung ist f├╝r sie in Reichenbach zu Ende, und nachdem sie mich vor allem hier in Reichenbach ein bisschen genervt haben, bin ich dar├╝ber nicht traurig.

Um 10.00 Uhr sitzen wir mit Sack und Pack in unserem Boot und brechen zur vierten Etappe der Kanuwanderung auf. Bereits kurz nachdem wir den Zeltplatz hinter uns gelassen haben, zweigt links der langgestreckte M├╝hlenkanal der n├Ąchsten Wehranlage ab, dem wir bis zum Ende folgen. Die Ausstiegsstelle f├╝r die Umtrage befindet sich unmittelbar vor dem Wehr. Ein Holzbalken sorgt daf├╝r, dass man mit dem Boot nicht ├╝ber die Staustufe hinaus f├Ąhrt. Der Balken leistet uns auch gleich gute Dienste, denn nachdem unser erstes Anlegeman├Âver misslingt, dr├╝ckt uns die Str├Âmung mit aller Macht mit dem Heck gegen das Hindernis. Fluchend r├╝hren wir mit unseren Paddeln in dem engen Kanal, ehe wir es schaffen das sperrigen Boot gegen die Str├Âmung zur Ausstiegsstelle zu man├Âvrieren. Nur zehn Minuten nach unserem Aufbruch sind wir wieder an Land, sind deswegen jedoch zun├Ąchst einmal ganz erleichtert. Es sind nur ein paar Meter, die man hier umtragen muss, umso l├Ąstiger ist es, die schwereren Gep├Ąckst├╝cke erst einmal wieder aus dem Boot r├Ąumen zu m├╝ssen, um das Ding aus dem Wasser und auf den Bootswagen hieven zu k├Ânnen. Nach kurzem Fu├čmarsch ├╝ber eine Wiese stehen wir an der Stelle, wo wir das Boot hinter dem Wehr wieder zu Wasser lassen k├Ânnen. Um 10.30 Uhr sitzen wir wieder im Boot und k├Ânnen erst einmal in Ruhe das Paddlerdasein genie├čen.

Eine halbe Stunde sp├Ąter kommt das n├Ąchste Hindernis in Sicht: die Wehranlage Tiefenbach. In unserer Paddelbeschreibung lesen wir, dass es hier einen Umgehungslauf gebe, dessen Nutzung f├╝r Ge├╝bte m├Âglich sei. Falls mit dem Wort Umgehungslauf das Treideln des Bootes gemeint ist, h├Ątte man besser dazugeschrieben, dass man eine Sense mit sich f├╝hren soll. Das Buschwerk l├Ąngs des kleinen Baches, der parallel zum eigentlichen Fluss verl├Ąuft, l├Ąsst an den Einsatz einer Bootsleine nicht denken. Uns bleibt nichts anderes ├╝brig als abermals umzutragen. Doch inzwischen haben wir ja unsere alte Routine wiedergefunden. Als wir wieder im Boot sitzen sind es nur noch xxx durchweg hindernisfreie Kilometer bis Nittenau.

Kurz vor Mittag erreichen wir die Stadt, deren touristische und gastronomische Angebote wir am gestrigen Abend so sehr vermisst haben. Wir paddeln zwischen den von H├Ąuseren ges├Ąumten Uferstreifen entlang, ehe uns auch hier ein Wegweiser in einen nach links abzweigenden M├╝hlenkanal schickt. Der Kanal bildet hier zusammen mit dem Fluss eine gro├če Insel, auf der Teile der Stadt liegen. Nach einiger Zeit erreichen wir die Ausstiegsstelle, die direkt an einer Imbissbude liegt. Wir k├Ânnen nicht widerstehen. Es ist 12.00 Uhr, der Zeitpunkt ist ideal, zumal wir an diesem Tag bislang noch keine Pause gemacht haben. Also bestellen wir uns eine Pommes und ein paar Wei├čw├╝rstel, die wir genussvoll vertilgen, ehe wir uns abschlie├čend noch jeweils eine gro├če Tasse Kaffee g├Ânnen. Danach schieben wir unser auf dem Wagen festgeschnalltes Boot ├╝ber einen Parkplatz und unter einer Stra├čenbr├╝cke hindurch, ehe wir einen Gr├╝nstreifen erreichen, wo sich die Einstiegsstelle befindet. W├Ąhrend ich die letzten Gep├Ąckst├╝cke verstaue, sucht sich Kordula noch schnell eine Toilette in einem nahe gelegenen Gasthaus. Um 12.50 Uhr legen wir ab.

Die Str├Âmung verleiht uns jetzt wieder eine etwas flottere Geschwindigkeit. Der Fluss windet sich in engen Schlingen aus der Stadt hinaus und passiert schlie├člich die Ausstiegsstelle zum ortsans├Ąssigen Campingplatz. Nach xxx km erreichen wir schon wieder das n├Ąchste Wehr. Auch hier gibt es einen sogenannten Umgehungslauf. Und da die B├Âschung entlang des kleinen Seitenarms hier frei von B├╝schen und Str├Ąuchern ist, k├Ânnen wir das Boot treideln. Wir diskutieren erst, ob es besser ist, die Leine am Bug zu belassen oder ans Heck zu binden. Doch schlie├člich kann ich Kordula von letzterem ├╝berzeugen. Das Boot l├Ąsst sich problemlos in ein etwas tiefer gelegenes Becken man├Âvrieren. Dort k├Ânnen wir wieder einsteigen, m├╝ssen es sogar, denn ab hier verhindert dichtes Buschwerk am Ufer weitere Treidelexperimente. Die n├Ąchsten Meter haben zwar noch nicht gerade Wildwassercharakter, doch bis sich der Seitenarm wieder mit dem breiten Fluss vereinigt, m├╝ssen wir so einigen Stein in dem z├╝gig str├Âmenden Wasser ausweichen und die ein oder andere Engstelle meistern. Auch nachdem wir uns wieder auf dem Fluss befinden, bleibt die Str├Âmung recht kr├Ąftig. An einer Stelle sitzen wir kurz mit dem Heck auf einem Stein auf, k├Ânnen uns jedoch wieder befreien.

Bald wendet sich der Fluss, der bislang haupts├Ąchlich westw├Ąrts geflossen ist, in Richtung S├╝den. Beim Rastplatz Marienthal sehen wir zum ersten Mal an diesem Tag wieder andere Paddler, die hier das am Ufer gelegenen Gasthaus f├╝r eine Pause nutzen oder auch genutzt haben und eben wieder ihre Bootstour aufnehmen. Als die Anlegestelle zu unserer Linken auftaucht, sind wir zu unentschlossen, ob wir schon wieder eine Pause machen wollen. Kurz darauf hat uns die flotte Str├Âmung schon vorbeigetragen und Marienthal bleibt hinter uns zur├╝ck.

Erst am xxx km weiter s├╝dlich gelegenen Rastplatz Heilinghausen steuern auch wir dann wieder das Ufer an. Inzwischen ist es 15.30 Uhr. Der Rastplatz gibt nicht ganz soviel her wie der letzte in Marienthal. Er liegt am Ende eines kleinen Dorfes, ein Gasthaus ist hier jedoch nicht in der N├Ąhe, was uns Gelegenheit gibt, an der Tischgruppe unter ein paar B├Ąumen an unseren restlichen Br├Âtchen von heute morgen und ein paar ├äpfeln zu nagen. Eine Gruppe anderer Paddler packt gerade ihre Ausr├╝stung zusammen und l├Ądt Kanus auf den Dachgep├Ącktr├Ąger eines Autos. Wenig sp├Ąter sind sie verschwunden. Als wir uns wieder daran machen, in unser Boot zu steigen, landet gerade eine weitere Paddler-Gruppe an. Nachdem wir bis zum Nachmittag ├╝berhaupt keine anderen Boote gesehen haben, sind es jetzt pl├Âtzlich recht viele.

Nach weiteren xxx ereignislosen aber sch├Ânen Kilometern erreichen wir gegen 17:00 Uhr das Ziel unserer Tagesetappe — den Zeltplatz Ramspau. Eigentlich hatten wir damit gerechnet sp├Ątestens hier unseren beiden Opas wieder zu begegnen, die wir seit unserer gestrigen Rast bei Kirchrohrbach nicht mehr gesehen haben. Gut m├Âglich, dass sie gestern mit Nittenau bereits das Ende ihrer Tour erreicht haben. Hier sind sie jedenfalls nicht. Der Zeltplatz schlie├čt sich in Form einer eher kleinen abgeteilten Wiese an ein Flussfreibad an. Die Anmeldung erfolgt am Kiosk und besteht eigentlich nur darin, die ├ťbernachtungsgeb├╝hr zu entrichten. Ansonsten kassiert der mit seinem blank polierten Sch├Ądel an Kojak erinnernde Mann, der hier den Laden schmei├čt, ├╝berwiegend f├╝r Eis und Pommes. Auch Kordula l├Ąuft angesichts solcher Angebote sofort das Wasser im Mund zusammen. Doch der Duft nach altem Fett, der aus der Friteuse quillt, bringt ihren Speichelfluss schnell wieder zum Erliegen, und so gehen wir zur├╝ck zu Boot und Ausr├╝stung und machen uns daran, das Zelt aufzubauen.

Nachdem wir uns an unserem neuen Nachtquartier eingerichtet haben, bekommen wir bald Gesellschaft. Die Paddlergruppe, die uns an dem Rastplatz in Heilinghausen zum ersten Mal begegnet ist, ist inzwischen hier eingetroffen. Bald gesellen sie sich zu uns, k├╝ndigen an, dass sie hier mit ihrem Kram ziemlich viel Platz in Anpruch nehmen werden, und fragen, ob wir unser Zelt versetzen wollen oder ob es in Ordnung ist, wenn sie uns umzingeln. Wir lassen sie uns umzingeln. Bald taucht einer von ihnen mit einem voll beladenen Lieferwagen auf, aus dem sich eine Unmenge von Zelten, Schlafs├Ącken und Reisetaschen auf den gr├╝nen Rasen des Zeltplatzes ergie├čt. Wir entziehen uns dem pl├Âtzlichen Rummel, indem wir uns unsere Duschsachen schnappen und ein zweites Mal in Richtung Kiosk davonziehen.

Bei den Duschen handelt es sich nicht einfach um irgendeinen Raum, in den man so hineinspaziert. Sie m├╝ssen erst einmal aufgeschlossen werden, und an Kojaks Fahrrad, das im Vorraum herumsteht, sollen wir uns doch bitte auch nicht st├Âren. Um Kojak nicht mehr Umst├Ąnde zu machen als notwendig, h├Ąnge ich mich an Kordula dran, und verschwinde einfach mit ihr in der Damendusche. Kojak witzelt, das sei okay, er k├Ânne ja wieder von au├čen abschlie├čen. Die Schreie, die anschlie├čend aus dem Duschraum nach au├čen dringen, sind jedoch dann in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass aus den Brausek├Âpfen kein Tropfen auch nur ann├Ąhrend als warm zu bezeichnendes Wasser herauszubekommen ist — ein kleines Detail, das der glatzk├Âpfige Frittenbudenbetreiber zu erw├Ąhnen vergessen hat.

Zur├╝ck am Zelt stellt sich heraus, dass unsere neuen Nachbarn, das mit dem Umzingeln vielleicht doch etwas anders gemeint haben k├Ânnten, als wir das verstanden haben. Zumindest t├╝rmen sich auf unseren Isomatten, die wir vor unserem Zelteingang zur├╝ckgelassen haben, die Kleidungsst├╝cke unserer Zeltnachbarin. Als sie jedoch bemerkt, dass unsere Sachen nicht zu denen ihrer Gruppe geh├Âren, evakuiert sie eilig Entschuldigungen murmelnd unsere Matten. Wir machen uns ausgehfertig, und wenig sp├Ąter entfliehen wir der bedr├Ąngenden Enge in Richtung Ramspau.

Das ├ľrtchen liegt auf der anderen Seite des Flusses und ist vom Zeltplatz aus am schnellsten ├╝ber eine Fu├čg├Ąngerbr├╝cke zu erreichen, die sich unweit des Dorfkerns ├╝ber den Regen spannt. Zum Gl├╝ck handelt es sich bei Ramspau um mehr als jene gesichtslose Ansammlung von H├Ąusern, die Reichenbach darstellte. Enge G├Ąsschen, eine h├╝bsche Kirche, alte Bauernh├Ąuser und dazu ein lauschiger Biergarten sorgen daf├╝r, dass wir uns heute Abend wieder wie Urlauber und nicht wie Gestrandete f├╝hlen. Wir genie├čen unser Bier, den Schweinebraten mit Kn├Âdel in Dunkelbierso├če, den ich mir bestelle, sowie das Holzf├Ąllersteak, das sich Kordula aussucht. Zum Abschluss g├Ânnen wir uns noch einen Blutwurz.

W├Ąhrend des Essens gr├╝beln wir ├╝ber den weiteren Fortgang unseres Urlaubs nach. Die letzte Etappe der Wasserwanderung auf dem Regen hat zwei entscheidende Nachteile. Zum einen ist da die Aussicht, einen gro├čen Teil davon in Sicht- und H├Ârweite der Autobahn A93 verbringen zu m├╝ssen, zum anderen der Umstand, dass uns am Ende der letzten Etappe lediglich ein Ausstiegssteg der DLRG zur Verf├╝gung steht, ohne die M├Âglichkeit unser Zelt aufzubauen. Der Versuch, entgegen der Donaustr├Âmung bis zum ├Âffentlichen Campingplatz zu gelangen, erscheint uns nach allem, was wir geh├Ârt haben, wenig aussichtsreich zu sein. Und die Vorstellung, das Boot mit allem Gep├Ąck darin quer durch die Stadt bis zum Campingplatz zu schieben, behagt uns eben so wenig wie die, unser komplettes Equipment f├╝r Stunden unbeaufsichtigt auf dem Gel├Ąnde der DLRG liegen zu lassen, bis wir das Auto nachgeholt haben. Uns bleibt nur eine Entscheidung. Wir lassen unsere Bootswanderung hier in Ramspau enden. Morgen fr├╝h wollen wir ins benachbarte Regenstauf spazieren. Auf unserem Weg in den Biergarten haben wir einen Radweg gesehen, der den Ort Richtung S├╝den verl├Ąsst und der auch als Spazierweg recht vielversprechend aussah. Von Regenstauf aus k├Ânnen wir mit dem Zug zur├╝ck nach Blaibach fahren und unser Auto abholen. Dann m├╝ssen unsere Sachen zwar hier unbeaufsichtigt auf uns warten, aber das erscheint uns momentan risikoloser als das inmitten einer Stadt wie Regensburg tun zu m├╝ssen.

Zufrieden mit unserem Entschluss genie├čen wir den hereinbrechenden Abend, der mit einem ungew├Âhnlichen Farbspektakel aufwartet. Ob es an der Beschaffenheit oder H├Âhe der nicht ganz geschlossenen Wolkendecke ├╝ber uns liegt, ist f├╝r mich nicht erkennbar. Auf jeden Fall scheint die Sonne in flachem Winkel in die Landschaft, verleiht den Wolken eine intensiv ins gr├╝nlich gehende Farbe, die von den doch eigentlich in sattem Gr├╝n dastehenden W├Ąldern um Ramspau herum als kr├Ąftiges Gold zur├╝ckgeworfen wird. Eine unwirkliche Szenerie, die f├╝r etliche Minuten Bestand hat, die wir mit Kordulas Digitalkamera aber nicht so richtig abgebildet bekommen.

Als wir den Weg zu unserem Zelt antreten, ist der Zauber l├Ąngst vorbei. Die Sonne ist untergegangen. Es wird dunkel. An unserem Zeltplatz hat sich die um uns herum campierende Gruppe um ein hell loderndes Lagerfeuer versammelt, wo man sich dar├╝ber austauscht, welche Erfahrung einem w├Ąhrend der letzten Tage besonders wichtig war. Das ganze h├Ârt sich ein wenig nach Kirchenfreizeit an. Doch uns kann es recht sein, denn das ganze geht in gr├Â├čerem Abstand von unserem Zelt ├╝ber die B├╝hne, so dass wir es uns, nachdem wir uns bettfertig gemacht haben, ohne ├Ąu├čere St├Ârfaktoren in unseren Schlafs├Ącken gem├╝tlich machen k├Ânnen.

Home     |     Copyright © 2006 likizo.de     |     Haftungsausschluss