ZurŘckWeiter Home Druckansicht Kartenausschnitt vergrößert anzeigen
Weiterfahrt nach Waren


Gel├Ąndedarstellung: ┬ę 1998 Microsoft (Encarta)
[Fr, 25. Juli 2008]

Erstmals in diesem Urlaub lassen wir uns vom Wecker des Handys wecken — sicher ist sicher! Es ist kurz nach 7.00 Uhr, als wir aufstehen, aber wir haben ja einiges vor heute. Gemeinsam stiefeln wir in Richtung Toiletten und Rezeption, um gleich unsere Br├Âtchen abholen zu k├Ânnen. Dabei k├Ânnten wir es auch anders haben. Als wir n├Ąmlich in Richtung ├╝ber den Platz marschieren, werden wir nur knapp von zwei Br├Âtchen verfehlt, die ein Mann — wozu auch immer — von links ├╝ber den Fahrweg wirft. Als er uns sieht, lacht er uns entschuldigend zu. Die n├Ąchste Stunde vergeht wie im Flug, und als wir uns auf dem Weg in Richtung Bahnhof machen, f├╝r den wir gro├čz├╝gigerweise eine Viertelstunde eingeplant haben, ist es auch schon h├Âchste Zeit.

Am Bahnhof erwarten uns gleich zwei ├ťberraschungen. ├ťberraschung Nummer eins: an dem Ticketautomaten lassen sich kein Tickets nach Kratzeburg l├Âsen. Im Innern des Bahnhofsgeb├Ąudes l├Ąsst sich anhand eines Planes der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft ODEG entnehmen, dass diese ab F├╝rstenberg 6,60 Euro kosten, nur k├Ąuflich erwerben lassen sie sich hier nirgends. Zwei Frauen, die vorbeikommen, geben uns den Tipp, es beim Reiseb├╝ro in der STadt zu probieren, doch dazu ist es jetzt nat├╝rlich schon viel zu sp├Ąt, denken wir, denn wir kennen ja noch nicht ├ťberraschung Nummer zwei. Wir l├Âsen also zwei Tickets nach Neustrelitz f├╝r jeweils 3,60 Euro und hoffen, in Neustrelitz zwei Tickets nach Kratzeburg nachl├Âsen zu k├Ânnen. Falls die Linie nach Kratzeburg tats├Ąchlich von der ODEG betrieben wird, gibt es vielleicht wieder einen Ticketautomaten im Zug wie auf der Linie zischen Gro├č Quassow und Neustrelitz.

Als wir dann zu unserem Bahnsteig hin├╝bergehen, folgt ├ťberraschung Nummer zwei: der Regionalexpress, der uns nach Neustrelitz bringen soll, hat laut einer Durchsage zehn Minuten Versp├Ątung. In Neustrelitz haben wir laut Fahrplan sieben Minuten Zeit zum Umsteigen. Um 9.02 Uhr soll es dort weitergehen. Das wird wohl nicht reichen. Der n├Ąchste Zug nach Kratzeburg f├Ąhrt erst wieder um 11.02 Uhr, was zwei Stunden Zwangspaues in Neustrelitz bedeuten w├╝rde. Bahnfahren — eines der letzten Abenteuer der Menschheit!

Der Regionalexpress rollt die prognostizierten zehn Minuten sp├Ąter in F├╝rstenberg an. Ein Schaffner, den man wegen der Tickets nerven k├Ânnte, ist nat├╝rlich nirgends sichtbar, aber das ist ja l├Ąngst nicht mehr die gr├Â├čte unserer Sorgen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Hoffnung, dass der Anschlusszug in Neustrelitz wartet. Durch schwedisch anmutende W├Ąlder hindurch erreichen wir nach nur 14 Minuten Fahrtzeit Neustrelitz — und haben Gl├╝ck. Am selben Bahnsteig gegen├╝ber warten zwei Schienenbusse der ODEG. Einer von ihnen f├Ąhrt Richtung Gro├č Quassow und Mirow in die eine Richtung, der andere Richtung Waren ist unser wartender Zug nach Kratzeburg. Schnell springen wir hinein und sind schwer erleichtert, dass dieser Tag nun doch nicht komplett aus dem Ruder zu laufen scheint. Unser Ticket kriegen wir dann auch noch. Es kostet tats├Ąchlich nur die 3,00 Euro Differenz, die wie in F├╝rstenberg f├╝r das Neustrelitz-Ticket weniger bezahlt haben. Zehn Minuten sp├Ąter feiern wir Wiedersehen mit Kratzeburg, dem Startpunkt unseres Paddelurlaubs.

Nach F├╝rstenberg gestern, ist es uns heute nun verg├Ânnt, auch Kratzeburg zumindest nachtr├Ąglich bei Sonnenschein besichtigen zu k├Ânnen. Als wir durch den kleinen Ort spazieren, wirkt der jedoch ├Ąhnlich unbelebt, wie vor zehn Tagen. Wir gehen daher zielstrebig dem Orstende entgegen, von wo die Stra├če zum K├Ąbelicksee und dem Parkplatz abzweigt, wo wir unser Auto abgestellt haben. Ein banges Gef├╝hl marschiert mit uns — hat sich auch wirklich niemand an dem verlassenen Wagen vergriffen? Immerhin — zwei Kn├Âllchen wie vor zwei Jahren in L├╝bbenau d├╝rften uns diesmal nicht erwarten. Wir treiben die Spannung noch ein wenig auf die Spitze, denn an dem Strandbad beim K├Ąbelicksee gibt es ein Dixi-Klo, und das kommt mir gerade recht, denn bei dem vollen Terminplan dieses Morgens ist meine Natur noch nicht ganz zu ihrem Recht gekommen. Leider scheint die Toilette zun├Ąchst verriegelt zu sein, doch wie schon am Campingplatz von Canow, l├Ąsst sich dieses Problem von au├čen beheben und nach kurzem Nachfragen, ob sich denn auch niemand in der Kabine aufh├Ąlt, entriegle ich die T├╝r. Zweitklassige Fernsehkrimis kommen mir in den Sinn, in denen mich nun eine halbverweste Leiche erwarten m├╝sste, doch die Erfahrung bleibt mir zum Gl├╝ck erspart.

Kurze Zeit sp├Ąter feiern wir Wiedersehen mit unserem Auto, das die Tage der Trennung von uns unversehrt ├╝berstanden hat. Wir fahren los, erreichen ├╝ber die staubige Betonplattenpiste Adamsdorf und die Hauptstra├če nach Neustrelitz. Endlich k├Ânnen wir auch das H├Ârbuch weiterh├Âren, das uns die Anreise nach Mecklenburg vorige Woche verk├╝rzt hat. Bei Neustrelitz verfahren wir uns prompt. Statt auf der Umgehungsstra├če zu bleiben, geraten wir ins Stadtinnere. Noch ein Wiedersehen mit einer unserer Urlaubsstationen. Der Rest der 37 km nach F├╝rstenberg verl├Ąuft ohne Hindernisse. An unserem Campingplatz steht die Schranke offen, und als wir hindurchfahren steht unser Wikinger Spalier und winkt uns freundlich zu.

Wir bauen das Zelt ab und das Boot auseinander — nach zehn Tagen Paddeltour ein komisches Gef├╝hl, doch schon heute abend wollen wir es irgendwo bei Feldberg wieder zusammenbauen. Als wir endlich fertig sind und alles im Auto verstaut haben, ist es tats├Ąchlich schon nach 12.00 Uhr. Obwohl unterm Strich alles gut gelaufen ist, haben wir doch mehr Zeit gebraucht als gedacht. Wir verlassen den Campingplatz, um Kurs auf die Feldberger Seenlandschaft zu nehmen, wie nicht nur die Landschaft, sondern auch die dort liegende Gemeinde hei├čt. Noch in F├╝rstenberg verfahren wir uns zum zweiten Mal an diesem Tag, denn die rechts von der Hauptstra├če abzweigende L15, die wir nehmen wollen, liegt gegen├╝ber der Stra├če, die uns vom Campingplatz auf die Hauptstra├če f├╝hrt. Wir biegen nach links in die Hauptstra├če ein und suchen die Stra├če Richtung Feldberg n├Ârdlich von F├╝rstenberg — vergeblich! Als wir unseren Fehler endlich bemerken, lohnt sich das Umkehren auch nicht mehr. Wir biegen bei der n├Ąchsten Gelegenheit rechts ab. ├ťber D├Ârfchen namens Godendorf und Dabelow, die mittels abenteuerlicher Str├Ą├čchen verbunden sind, erreichen wir irgendwann wieder die L15. Vorbei an Lychen, dessen Falbootmuseum wir dank des sommerlichen Wetters nun wohl nicht mehr zu sehen bekommen, fahren wir weiter durch sommerliches, h├╝geliges Land, bis wir irgendwann in Feldberg ankommen. Wir haben Zeit und wir haben Urlaub! Also stellen wir das Auto f├╝r einen Bummel auf dem Edeka-Parkplatz ab und ziehen los. Vielleicht finden wir ja eine nette Lokalit├Ąt, wo man einen Eiscafé oder etwas in der Art schl├╝rfen kann.

Lange m├╝ssen wir nicht suchen. In einer Gasse mit Kopfsteinpflaster, die an den Haussee grenzt, sto├čen wir auf den Abendsegler — eine Kneipe mit G├Ąstezimmern und zum Wasser hin gelegenen Biergarten. Selbst eine kleine Anlegestelle scheint es zu geben, an der Paddler ihr Boot f├╝r eine Pause festmachen k├Ânnen. Wir bestellen zwei gro├če Cola, und weil die Speisekarte so verlockend aussieht noch einen Ruccolasalat f├╝r Kordula und einen Flamkuchen Mediterran f├╝r mich. W├Ąhrend wir essen, fesselt ein kleiner quengelnder Junge an einem der Nachbartische unsere Aufmerksamkeit, der nicht mit seinem Boot spielen will, sobald ihm die Eltern es jedoch aus der Hand nehmen, pl├Ąrrt, dass das sein Boot sei. Als wir die Kneipe verlassen, tun wir das in der festen Absicht, an einem der n├Ąchsten Tage einen Bootsausflug hierher zu machen. Jetzt wollen wir uns aber erst nach einem festen Standort f├╝r die n├Ąchsten Tage umsehen. Nachdem wir im Edeka, bei dem wir den Wagen abgestellt haben, noch etwas zu trinken kaufen, setzen wir uns wieder in unsere rollende Sauna, werfen die Klimaanlage an und fahren weiter Richtung Conow. Der dortige Campingplatz am Carwitzer See erscheint uns die g├╝nstigste Lage zu haben. Er befindet sich recht zentral innerhalb der Feldberger Seen und bietet sich uns als idealer Ausgangspunkt f├╝r die Tagestouren an, die wir uns f├╝r die n├Ąchsten Tage auf unsere Agenda gesetzt haben.

Den Campingplatz zu erreichen, erweist sich als gar nicht so einfach. Zun├Ąchst landen wir bei einem der hier offensichtlich verbreiteten Campingvereine, eine Abwandlung der uns Ruhrpottlern vertrauteren Schreberg├Ąrten, nur dass dort eben Wohnwagen statt H├╝tten stehen. Wir sind jedenfalls scheinbar nicht willkommen und hoppeln ├╝ber einen Feldweg weiter, bis wir schlie├člich beim richtigen Campingplatz landen. Einladender wirkt der allerdings auch nicht. Wie auf einem Stadionparkplatz stehen die Fahrzeuge nebeneinander aufgereiht, ├╝berwiegend in praller Sonne. Das Erschreckendste an dem Platz jedoch ist, dass er trotz seines wenig ansprechenden Flairs proppenvoll ist. W├Ąhrend wir ratlos durch die Reihen stapfen, taucht irgendwann eine Endf├╝nfzigerin im Badeanzug auf, und fragt, ob wir einen Platz suchen. Sie scheint den Laden hier zu schmei├čen, und bietet uns einen wenig attraktiven Flecken unweit des Sanit├Ąrgeb├Ąudes an — f├╝r eine Nacht vielleicht akzeptabel, nicht jedoch f├╝r den Rest unseres Urlaubs. Richtig entt├Ąuscht ist sie allerdings nicht, als wir ihr sagen, dass wir es erst einmal in Feldberg probieren wollen, zumal, wie sie uns erz├Ąhlt, noch ein weiteres P├Ąrchen hier herumstreift und mit sich k├Ąmpft, ob es hierbleiben will.

Wenig sp├Ąter sind wir wieder unterwegs nach Feldberg. Eigentlich gar nicht so schlecht, denken wir uns, denn dort kann man abends wenigstens nett ausgehen. Auch der Campingplatz wirkt auf Anhieb deutlich einladender. Die H├Ąnge sind terassiert und landschaftlich nett gestaltet. Sogar einen Streichelzoo gibt es. Nicht jedoch f├╝r uns, wie wir an der Rezeption erfahren. Da wir keine Vorreservierung haben, haben wir keine Chance, es sei denn wir warten bis 19.00 Uhr und hoffen darauf, dass einer der Vorangemeldeten nicht auftaucht. Auch darauf, das Auto drau├čen zu belassen und nur mit dem Zelt auf den Platz zu gehen, will sich der Rezeptionist nicht einlassen. Angeblich hat er Angst um seine Sterne, wenn sich an den Waschr├Ąumen zu lange Schlangen bilden. Immerhin bringt er noch f├╝r uns in Erfahrung, dass der Campingplatz in Carwitz, der als letzter noch in Frage gekommen w├Ąre auch dicht ist. Ein P├Ąrchen, das nach uns die Rezeption betritt, bringt dasselbe in Erfahrung wie wir, ist aber entschlossen genug, sich in Conow das letzt Verf├╝gbare unter den Nagel zu rei├čen. Damit brauchen wir uns wenigstens nicht mit der Entscheidung qu├Ąlen, eventuell doch noch dort einzuchecken. Tja, das Wochenende steht vor der T├╝r, und der Sommer ist schon da — Pech f├╝r uns! Eine ganze Weile sitzen wir ratlos im Auto herum und ├╝berlegen, was wir tun sollen. Wir k├Ânnten im Abendsegler n├Ąchtigen, doch das d├╝rfte nicht ganz billig werden, und ausgerechnet jetzt, wo das Wetter so richtig sch├Ân geworden ist, in einem Zimmer unterzukriechen, passt f├╝r uns auch nicht so richtig zusammen. Also verabschieden wir uns innerlich von den Feldberger Seen und entscheiden uns f├╝r die Gro├če M├╝ritz. Und Waren, als eine der gr├Â├čeren St├Ądte der Region sollte doch auch noch etwas f├╝r uns zu bieten haben.

Aus Schaden wird man klug, und so rufen wir diesmal an einem der Campingpl├Ątze an, bevor wir losfahren. Gleich bei dem ersten, dem Campingplatz Kamerun, bringt Kordula in Erfahrung, dass auf dem gro├čen unbeschatteten Platz noch einiges frei sei. Ersteres h├Ârt sich zwar nicht so verlockend an, aber irgendwo m├╝ssen wir die Nacht ja verbringen, also fahren wir los. Aus dem Ende unserer Paddeltour in F├╝rstenberg ist eine regelrechte Odyssee geworden. Der Weg nach Waren umfasst stolze 70 km und Autobahnen sucht man hier vergebens. Daf├╝r kommen wir mit unserem H├Ârbuch gut voran.

Als wir nach gef├╝hlten sechs Stunden endlich die Stadtgrenze von Waren passieren, erinnere ich mich an die Sache mit dem unbeschatteten Platz auf dem Campingplatz Kamerun. Da wir am zweiten Campingplatz der Stadt mehr oder weniger vorbeifahren, ├╝berrede ich Kordula, es doch lieber erst dort zu probieren. Auf den ersten Blick eine gute Idee. Der Campingplatz Ecktannen liegt sch├Ân im W├Ąldchen und die Rezeption verspricht ein gewisses Niveau. Der Preis leider auch. Stolze 72 Euro muss ich f├╝r die drei ├ťbernachtungen berappen, f├╝r die wir uns zun├Ąchst entschieden haben, und das obwohl ich verheimliche, dass wir noch ein Boot dabei haben. Daf├╝r haben wir auf den meisten Campingpl├Ątzen bisher ein bis zwei Euro extra bezahlt. 6 Euro Kurtaxe sind in der Rechnung auch enthalten, wof├╝r wir einen G├Ąstepass erhalten — ein kleines Heftchen, das uns ├╝ber zweifelhafte Verg├╝nstigungen in diverse Warener Gesch├Ąfte locken und zum Wahrnehmen der hiesigen Freizeitangebote verleiten soll.

Ein Lageplan, den man mir in die Hand gedr├╝ckt hat, weist uns den Weg zum Bereich 2B, wo wir unser Zelt aufschlagen sollen. In Wassern├Ąhe ist das nicht gerade. Der Bereich der Wasserwanderer ist auf dem Plan jedoch so klein, dass man sich denken kann, dass man uns mit dem Auto dort ohnehin nicht hingelassen h├Ątte. Die Auswahl im Bereich 2B ist leider nicht berauschend. Schlie├člich zw├Ąngen wir uns zwischen ein paar Birken, aber so richtig gl├╝cklich sind wir mit unserer Lage nicht. Rings um uns herum Birken und andere Camper, kein Wasser in der N├Ąhe, keine Aussicht — und daf├╝r sind wir den weiten Weg hierher gefahren? Seufzend versuche ich mich damit zu tr├Âsten, dass wir hier nicht wegen des Campingplatzes sind, sondern wegen der nahen Stadt und ihrer Freizeitm├Âglichkeiten.

Nachdem das Zelt steht, packen wir unsere Badesachen ein und erkunden wir den Platz. Das kleine Wasch- und WC-Geb├Ąude in unserer N├Ąhe ist leider gesperrt, so dass wir zur Befriedigung unserer k├Ârperlichen Bed├╝rfnisse einen l├Ąngeren Weg auf uns nehmen m├╝ssen. In der N├Ąhe dieses gr├Â├čeren Sanit├Ąrgeb├Ąudes befindet sich auch der kleine in einem Kfz-Anh├Ąnger untergebrachte Kiosk des Campingplatzes. Ganz in seiner N├Ąhe gelangt man — vorbei am Platz der Wasserwanderer, der derart absch├╝ssig ist, dass Kordula darauf sowieso nicht gerne geschlafen h├Ątte — zum Strandbad, das selbst nicht mehr zum Campingplatz geh├Ârt. Dort an den Ufern der Binnenm├╝ritz, dem n├Ârdlichen Wurmfortsatz der Gro├čen M├╝ritz, lassen wir uns nieder. Die Sonne scheint flach ├╝ber das Wasser her├╝ber und ├╝berflutet uns mit Licht und W├Ąrme, als wir in das leider doch sehr kalte Wasser hineinstapfen, um ein paar Runden zu schwimmen.

Auf dem R├╝ckweg zum Zelt machen wir einen Abstecher zum Kiosk, der einen vielversprechenden Eindruck macht. Nicht nur, dass man dort Fr├╝hst├╝cksbr├Âtchen bestellen kann — das Formular daf├╝r, das ich an der Rezeption erhalten habe, haben wir zwar leider gerade nicht dabei, aber weil die Frauen dort nicht ganz so b├╝rokratisch drauf sind, nehmen sie unsere Bestellung auch so entgegen — man kann dort auch Fahrr├Ąder ausleihen. Nichts, was man sich zu Hause in den Keller stellen w├╝rde, aber ein fahrbarer Untersatz. Kordula sichert uns die beiden einzigen verf├╝gbaren Exemplare, die akzeptable Radgr├Â├čen aufweisen und ├╝ber einen Fahrradkorb verf├╝gen. Meines hat sogar eine Halterung f├╝r eine Kindersitz, weswegen die Kiosk-Frau erst noch eineinhalb Augen zudr├╝cken muss, ehe sie das Gef├Ąhrt herausr├╝ckt. Wenig sp├Ąter befinden sich zwei davon f├╝r die n├Ąchsten 24 Stunden in unserem Besitz. Kostenpunkt: 7,00 Euro pro Tag und Rad. Allein schon f├╝r den Weg vom Zelt zur Toilette sind die Dinger aus meiner Sicht von unsch├Ątzbarem Wert.

Wir machen uns ausgehfein — endlich k├Ânnen wir, da wir unsere Reserven aus dem Kofferaum unseres Autos wieder zur Verf├╝gung haben — wieder aus dem Vollen sch├Âpfen. Dann schwingen wir uns auf die S├Ąttel unserer Neuerwerbungen und radeln, abwechselnd unsere Klingeln bedienend, Richtung Stadt. Der sonnige Weg entlang der Binnenm├╝ritz macht Lust auf mehr Radfahren, doch damit warten wir lieber bis morgen. Vier Kilometer sind es in etwa bis ins Zentrum — nichts, was man nachts gerne zur├╝ckspaziert.

Unweit des Hafens ketten wir unsere R├Ąder fest. Die Schl├Âsser haben eine vierstellige Zahlenkombination, deren erste drei Ziffern in umgekehrter Reihenfolge auf die Schutzbleche der Vorderr├Ąder geschrieben sind — eine nette kleine Hilfestellung f├╝r Fahrraddiebe, die so nur noch maximal zehn M├Âglichkeiten ausprobieren m├╝ssen, um an ihr Ziel zu gelangen. Was die Versicherung wohl davon h├Ąlt?

Durch Waren zu bummeln, ist f├╝r mich ein seltsames Gef├╝hl. Fast f├╝nfzehn Jahre ist es her, dass ich hier schon einmal einen kleinen Teil eines Urlaubs verbracht habe, aber bis auf die beiden gro├čen Kircht├╝rme gibt es nichts, was mir bekannt vorkommt. Nicht einmal die Jugendherberge, an der wir auf unserem Weg hierher vorbeigeradelt sind und in der ich damals ├╝bernachtet habe, l├Ąsst irgendwelche Erinnerungen aufkommen. Die Stadt ist mir fremd. Allerdings scheint sie sich auch geh├Ârig weiterentwickelt zu haben. Am Hafen liegt ein Lokal neben dem anderen. Die gro├čz├╝gigen Au├čenbereiche sind vollbesetzt. Urlauber flanieren entlang der Uferpromenaden. Ein Schiff, auf dessen Deck eine Junggesellinnen-Abschiedsparty stattfindet, h├Ąlt auf den Hafen zu. Die tiefstehende Sonne und die laue Abendluft sorgen f├╝r mediterranes Flair. An einer Ecke mit Live-Musikangebot f├╝hle ich mich fast schon ein bisschen an Malle erinnert. Besonders fasziniert bin ich von der festungsartigen und dennoch verspielt wirkenden Aneinanderreihung der H├Ąuser zum Wasser hin. Wie eine Ansammlung bunt zusammengew├╝rfelter Schachteln und Kartons t├╝rmen sie sich auf. Am liebsten w├╝rde man einmal in jedes der Fenster dort oben hineinsehen.

Wir lassen die gro├čartige Stimmung auf uns wirken, dann tauchen wir in die verwinkelten G├Ąsschen der Altstadt ein. Endlich wissen wir, dass sich die Odyssee dieses Tages am Ende doch gelohnt hat. Nachdem ich bei meiner Ma zu Hause angerufen habe, um mich ├╝ber den Fortgang ihrer Genesung zu erkundigen, und auch Kordula kurz mein Handy f├╝r einen Anruf in die Heimat in Anspruch nimmt, suchen wir uns ein Restaurant aus. Salat und Flamkuchen vom Mittag sind l├Ąngst verdaut. Ein einladendes Restaurant in der Fu├čg├Ąngerzone sagt uns besonders zu. Leider sind alle Pl├Ątze besetzt, so dass wir letztendlich zum Hafen zur├╝ckbummeln und uns f├╝r das zumindest im Au├čenbereich etwas verlassen wirkende Tapas-Restaurant "New Yorxx" entscheiden. Auch wir steigen lieber zum Balkon hinauf. Der erste Tisch, den wir uns aussuchen, erweist sich als etwas zu sehr dem Wind ausgesetzt, und so ziehen wir, unterst├╝tzt von der freundlichen Kellnerin, in eine etwas besser vor dem Wind gesch├╝tzte Ecke um. Kurze Zeit sp├Ąter haben wir einen Rioja f├╝r Kordula, ein Glas meines neuen Lieblingsbiers und einen gro├čz├╝gig ausgestatteten Tapas-Teller f├╝r zwei Personen vor uns stehen. ├ťberraschend fleischlastig, aber sehr lecker. Dazu der Blick ├╝ber die Binnenm├╝ritz, ├╝ber die ganz allm├Ąhlich die Abendd├Ąmmerung hereinbricht. Es ist einfach herrlich. Die Kellnerin ist sehr gespr├Ąchsfreudig. Am Nachbartisch erz├Ąhlt sie, dass das Restaurant wohl bald seine Pforten schlie├čen wird, um ein paar Stra├čen weiter unter anderem Namen neu zu er├Âffnen, weil die Tische in der Regel nicht ausgelastet sind. Als ich nach dem Essen bezahle, ist sie fast ├╝berrascht, dass wir Tapas schon fr├╝her kennengelernt haben. Aus Kiel, wo sie lange gewohnt habe, kenne sie das nicht.

Als wir uns mit den Fahrr├Ądern auf den R├╝ckweg machen, ist es l├Ąngst dunkel. Leider stellt sich heraus, dass mein Licht nicht funktioniert. Au├čer einem kurzen Aufflackern, als ich ├╝ber eine Bodenschwelle fahre, gibt es kein Lebenszeichen von sich. Sp├Ątestens als wir die Stadt verlassen und auf den Fahrradweg entlang des Wassers in Richtung Ecktannen einbiegen, wird die Fahrt zum Blindflug. Sowohl bei Kordula als auch bei mir macht sich der Alkohol bemerkbar. Im Gegensatz zu Kordula kann ich jedoch das Ganze genie├čen. Der nur schemenhaft erkennbare Weg gleitet unter mir hinweg, als ob ich schweben w├╝rde. Einfach herrlich!

Unterhalb des Campingplatzes empfangen uns Taschenlampen. Der Sicherheitsdienst, der am Platz ├╝ber Ruhe und Ordung herrscht, hat sich ein paar am Lagerfeuer krakelenden Jugendlichen gewidmet. Jetzt werde ich angehalten, bitte das Licht einzuschalten oder doch zumindest Kordula, deren Licht funktioniert, voraus fahren zu lassen. Dieselben Herren belehren Kordula kurze Zeit sp├Ąter im Waschraum, dass man dort doch bitte Badelatschen verwenden m├Âchte — als ob wir hier, wenn wir welche mit uns h├Ątten, freiwillig barfu├č herumlatschen w├╝rden und obendrein nicht lesen k├Ânnten, schlie├člich steht das ganze in fetten Buchstaben bereits an der Au├čent├╝r. Was m├╝ssen die Langeweile haben! W├Ąhrend ich vor dem Waschraum auf Kordula warte, gesellt sich einer von ihnen zu mir, und wir studieren den Aushang eines Gastes, dessen Sohn man ein Ericsson-Handy geklaut hat, das wohl zum Aufladen im Waschraum gelegen hat. Der Sicherheitsmensch belehrt mich, dass man Handys auch an der Rezeption aufladen k├Ânne. Wenn man dort freundlich frage, w├Ąre das bestimmt keine gro├če Sache. Schmunzelnd versuche ich mir vorzustellen, wie die Damen dort eine dreistellige Zahl von G├Ąste-Handys auseinanderzuhalten und ebensoviele Steckdosen daf├╝r aufzutreiben versuchen. Dann philosophiert er dar├╝ber, ob man ├╝berhaupt ein Handy klauen sollte, das von der Marke Ericsson ist. Zum Gl├╝ck kommt Kordula und erl├Âst mich. Gemeinsam radeln wir zum Zelt zur├╝ck.

An diesem Abend brauchen wir weder eine Kniffelrunde noch ein Kapitel Mrs. Murphy, bevor wir ins Reich der Tr├Ąume hin├╝bergleiten.

Home     |     Copyright © 2006 likizo.de     |     Haftungsausschluss